Die heutige Folge handelt von Frühling und Schneestürmen, von Eishockey und Neuwahlen, von Nacktwandernden und gestapelten Theatern und von Schlittenhunden. So gut! 🙂
Transkript
Automatisch transkribiert (Whisper large-v3), ungeprüft.
Susanne: Weißt du, was mir aufgefallen ist?
Dirk: Nee.
Susanne: Ich wiederhole dich oft. Du sagst was, ich sag das Gleiche. Dann sag ich was, du sagst das Gleiche. Also exakt die gleichen Worte.
Dirk: Exakt die gleichen Worte?
Susanne: Ja.
Dirk: Ja.
Susanne: Hey, hör auf mich back zu tracken.
Dirk: Ich würde dich niemals backtracken.
Susanne: Das sagst du so.
Dirk: Das sag ich so.
Susanne: Hallo Dirk.
Dirk: Hallo Susanne.
Susanne: Na, wie ist das Wetter heute so?
Dirk: Endlich haben wir mal dieses kanadische Wetter, von dem uns alle immer erzählt haben. Haben wir? Ja, es war ein kalter Winter und dann war es ein kühler Frühling und jetzt haben wir so einen Fullspring.
Susanne: Ja, es hat 20 Grad draußen.
Dirk: What?
Susanne: Ja.
Dirk: Gestern hat es?
Susanne: Auch 20 Grad.
Dirk: Nee.
Susanne: Doch. Die haben zwar nur gesagt, es wird nur 16 Grad, aber im Endeffekt waren es dann 20 Grad.
Dirk: Gefühlte oder echte?
Susanne: Nee, echte. Feels like 20
Dirk: Oh mein Gott Ja, aber es war dieselbe Woche Ich habe diese Woche aber auch schon Schnee gesehen und es war auch schon 0 Grad Also wir hatten alles
Susanne: Ja, den Schneesturm, den hatten wir Stimmt Aber es wird besser So durchschnittlich gesehen geht die Temperatur nach oben Außerdem haben wir ja festgestellt dass sich hier 10 Grad echt warm anfühlen Vielleicht ist es der Unterschied Wenn du erstmal ein bisschen Frettchen-Kälte ausgehalten hast. Es sind 10 Grad ein, lass uns die kurze Hose und das T-Shirt rausholen, Wetter. Allerdings hat ja hier die Sommersaison im Grunde schon angefangen, dadurch, dass man schon Water-Taxis wieder sieht auf dem Lake Ontario. Was die nämlich immer regelmäßig machen, so Anfang Winter, wann auch immer das ist, ist, die schippern hier die Stege irgendwo an einen mystischen Ort.
Dirk: Weil die aus Holz sind?
Susanne: Weil die aus Holz sind, genau. Siehste, ich hab's wieder gemacht. Und die frieren ja, weil der See friert ja zu. Ja und dann plötzlich sind die wieder da, diese Stege und plötzlich sind an diesen Stegen Water Taxis und damit weiß man, aha, die Sommersaison hat angefangen.
Dirk: Die Einheimischen glauben nicht mehr, dass der See nochmal zufrieren wird.
Susanne: Ja, nee, ist unwahrscheinlich.
Dirk: Aber wir merken halt, dass es hier dann doch irgendwie so vier bis sechs Wochen hintendran ist mit dem Frühling, aber der Kirschblüten-Tracker ist schon wieder in voller Aktivität. Also wir können jetzt schon wieder tracken.
Susanne: Ich schaue auch irgendwie immer regelmäßig und bis jetzt sind wir in Stage 2 von 6 und das heißt Ende nächste Woche, übernächste Woche sind wir dann in der Blütezeit.
Dirk: Ja, wir hoffen ja, dass die Kirschblüte in voller Blüte ist, während du Geburtstag hast.
Susanne: Ja, ich glaube, da ist sie schon wieder vorbei. Müssen wir mal schauen, weil nämlich es kommt immer darauf an, wie das Wetter hält. Die passen ihren Checker ja an.
Dirk: Wir werden jedenfalls auch dieses Jahr die Kirschblüte besuchen.
Susanne: Oh ja.
Dirk: Ja, also das Wetter wettert vor sich hin. Also so in Sachen kanadischen Winter war ja der erste Winter, den wir hier erlebt haben, ungewöhnlich warm. Und da haben wir die ganze Zeit gedacht, was hatten die alle? Dieses Jahr war das auch mal mehrere Wochen lang mit regelmäßig Schnee und so und wir hatten unseren ersten Blizzard.
Susanne: Ja, ich wusste ja auch nicht, was ein Blizzard ist, aber es ist ein Schneesturmgewitter, sozusagen. Die nennen das hier Thunder Snow. Snow.
Dirk: Dann der Snow. Klingt nicht so cool.
Susanne: Nee, klingt nicht so cool. Aber wirklich einen Tag, ich habe so ganz gemütlich vor mich hingearbeitet, hat die Sonne geschehen, plötzlich war die Sonne weg und ich gucke das nächste Mal raus und denke, huch. Und es hat geschneestürmt. Und plötzlich hat es gedonnert und geblitzt. Und ich dachte, wow.
Dirk: Da hat es auch innerhalb von einer halben Stunde oder so, so viel Schnee runtergehauen, also hier in dem ganzen Eck von Kanada, hier im Großraum Toronto, Ontario an sich und es hat auch in Montreal, hat es ja auch geschneestürmt und in Montreal war es so, dass sie dann hinterher gesagt haben, so viel Masse an Schnee runtergekommen, dass sie zwei Wochen brauchen werden, bis alle Straßen wieder freigeräumt sind. Das fand ich dann schon krass. Also man vergisst immer, dass in solchen Städten irgendwie tausende Kilometer von Straßen sind. Und wir hatten hier unten an der Ecke vom Haus so einen Gehweg. Also hier gibt es Gehwege, Kanada hat Gehwege, shockingly. Aber was ich jetzt, worauf ich raus wollte, da unten an der Ecke war so eine Ecke, wo praktisch kniehoch Schnee war. und wir haben dabei dann die Beobachtung gehabt, dass es zumindest hier in Toronto nicht so üblich ist, dass irgendwie Leute mit einer Schneeschaufel irgendwann auflaufen und den Kram halt wegschaufeln.
Susanne: Außer du wohnst in so einem Viertel, wo halt Häuschen stehen.
Dirk: Ja, aber wohnen wir ja nicht. Und ich war nah dran, dass ich mir irgendwo eine Schneeschaufel besorge und dann da unten irgendwie Raid-Shoveln gehe. Ich habe mir immer angeguckt, wie da die Leute wirklich durch kniehohen Schnee... Wenn du mal so eine Oma mit so einem Rollator siehst, die versucht so eine Schneewehe zu überwinden, dann kommst du in Versuchung, den Weg freizuräumen.
Susanne: Ich meine, wir haben jetzt hier nicht gelitten. Es sah super aus.
Dirk: Wir sind auch immer noch ganz fasziniert, wenn wir so bei Wetter sind, also ich bin zumindest immer noch ganz fasziniert davon, dass hier manchmal die Nacht wärmer ist als der Tag. Das passiert ja immer noch. Wir haben ja hier diese seltsamen Wetterlagen. Also es ist immer so dieser Zweiklang aus dem Polar-Vortex, also praktisch so Luftbewegungen, die von der Polarregion Wind runterweht mittendrin, wo es dann ganz schlagartig kalt werden kann und dann ist hier die Wetterlage, die von Lake Ontario heraufkommt, das heißt wir sind jetzt hier auch noch in so einem Gebiet, in dem es tendenziell wärmer ist und da hat man manchmal Tage, an denen es dann tagsüber jetzt 6 bis 8 Grad gehabt und dann nachts wird es plötzlich wärmer oder so.
Susanne: Ja, oder die Temperatur steigt nicht über den Tag, sondern fällt über den Tag und das bin ich ja auch nicht gewohnt, das hatte ich noch nie.
Dirk: Die Dinge, die wir so beobachten, das Wetter.
Susanne: Das Wetter.
Dirk: Es ist immer noch da und wir freuen uns immer noch, dass wir hier mehr Sonnenstunden genießen als jemals zuvor. Es ist echt
Susanne: hell. Hell, hell, hell. Uns ist auch aufgefallen, wir sind wesentlich ausgeglichener. und haben uns dann halt die Frage gestellt, liegt es jetzt daran, dass wir mehr Licht ausgesetzt sind? Also wir wohnen in einer wirklich hellen Wohnung. Ich glaube schon, dass es auch mit eine Rolle spielt, aber sicherlich auch, weil es ja auch alles ein bisschen entspannter jetzt ist.
Dirk: Theoretisch gäbe es ja genügend Zeug, was einen unentspannt machen kann. Trotzdem war ich gar nicht so entspannt wie zur Zeit.
Susanne: Ja, vielleicht liegt es am Alter.
Dirk: Das liegt wahrscheinlich an der Weisheit. Die Weisheit, die wir im Alter aufbauen.
Susanne: Apropos Weisheit, ja. Kurzer Funfact. Ich habe ja bald Geburtstag und dann werde ich ein Vierteljahrhundert im alten Jahrtausend und ein Vierteljahrhundert im neuen Jahrtausend verbracht haben. Ist das nicht geil?
Dirk: Ja, ab dann nenne ich dich uralte Morla.
Susanne: Ja, das ist so alt, bin ich dann doch noch nicht. Die meisten werden gar nicht wissen, wer die uralte Morla überhaupt ist.
Dirk: Mir doch egal, es reicht mir, wenn du es weißt. Ja, wir haben jetzt dann runde Geburtstage, die wir so feiern. Erstmal deinen und dann meinen, weil ich bin ja viel jünger als du.
Susanne: Ja, so viel jünger. Meine Güte, neun Monate.
Dirk: Das sind neun Monate, die du schon ein halbes Jahrhundert alt bist und ich nicht. Ja, ansonsten freuen wir uns immer noch, dass der regelmäßige Strom an Besucherinnen und Besuchern noch nicht ganz abgerissen ist.
Susanne: Nö, das geht immer noch weiter
Dirk: gemütlich
Susanne: vor sich hin so.
Dirk: Zuletzt hatten wir jetzt Benjamin und seine Freundin Franzi hier zu Besuch.
Susanne: Unser Jüngster.
Dirk: Jawohl, und wir machen ja immer halb touristische, halb Dinge, die wir halt vor der Haustür haben, wenn wir Besuch haben.
Susanne: Naja, wir haben festgestellt, erstens mal, Erlebnisse ist einfach das Coolste, wo man irgendwie Geld und Zeit investieren kann. Erlebnisse gemeinsam, das ist Nummer eins. Nummer zwei ist, es macht mehr Spaß, zusammen neue Dinge zu entdecken, als vielleicht alleine. Ich meine, es macht uns beiden auch so Spaß, aber wenn wir dann nochmal mehr Leute dabei haben, ist es noch witziger. Und das haben wir dieses Mal auch wieder gemacht. Und wir haben das schon frühzeitig gebucht. Ich glaube, ich bin damit um die Ecke gekommen, weil ich wollte nämlich immer schon mal Hundeschlitten fahren gehen.
Dirk: Wir waren dann in Muskoka County, was hier so eine Region ist, die bekannt für ihre wirklich schöne Landschaft ist und im Sommer ist das hier, was die Kanadier Cottage Country nennen, das heißt da viel Seen, viel Wald, viel Hütten dazwischen, die man mieten kann, um da sich dann irgendwie seinen Urlaub zu verschönen. Und im Winter ist das natürlich dann Wintersportgebiet mit zugefrorenen Seen, wo man dann auch wirklich auf den Seen freigeräumte Flächen entdecken kann, wo die Kanadier Eishockey spielen. Natürlich. Natürlich. Und der Typ, der diese Hundeschlittenaktion organisiert hat, der hat gemeint, Hundeschlittenfahren wäre die kanadischste aller Tätigkeiten und trotzdem machen es weniger als ein Prozent der Kanadier.
Susanne: Das kann ich auch verstehen, als ich nämlich meinen Kollegen erzählt habe, hey wir gehen jetzt an Hundeschlitten fahren, ich freue mich da richtig drauf, alle so, ich lebe mein ganzes Leben schon hier und war noch nie Hundeschlitten fahren, ja warum nicht, mach doch mal, ist lustig
Dirk: Und es ist deswegen was sehr kanadisches, weil tatsächlich hier, dadurch dass die ja doch sehr ausgeprägte Winter haben, früher der Warentransport mit Hundeschlitten tatsächlich hier stattgefunden hat Und das sind dann auch nicht so Huskys, sondern das sind Alaska-Schlittenhunde, habe ich gelernt. Die sind schneller und ausdauernder und kräftiger. Und meine Güte, sind die kräftig.
Susanne: Ja, aber fangen wir doch mal von vorne an. Dann sind wir nämlich an einem Sonntag hochgefahren nach Muskoka und haben dort tatsächlich in einer Cabin übernachtet an einem See und sind dann durch tiefsten Schnee gewartet.
Dirk: Ich habe einen Schneeengel gemacht auf dem See.
Susanne: Und ich kann mich noch an Benjamins Kommentar erinnern, der gesagt hat, boah, so viel Schnee habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so viel Schnee gesehen habe. Ja, es war auch wirklich toll. Also es war richtig so traumhaft schöne, verschneite Landschaft. Wir sind auf dem See spazieren gegangen. Ein Reh hüpfte über den See im Schnee.
Dirk: Ich stelle mir dann immer vor, wie der kanadische Tourismusverband irgendwie so ein Reh auf den See schubst. Lauf mal rüber.
Susanne: Dann kriegst du ein Gutti.
Dirk: Weil es war wirklich so, dieser ganze See war praktisch leer, Eisfläche, glatter Schnee, also Puderzuckerschnee drauf und in der Mitte von diesem See so ein Reh, das neugierig in unsere Richtung schaut. Ja, also
Susanne: völlig idyllisch. Und dann haben wir in der Cabin ein Feuer, ein offenes gehabt und es war nachts zwar totenstill. Also es war wirklich toll. Und dann sind wir am nächsten Morgen eben rausgefahren zu dieser Farm, die eben Hunde schlitten. Die haben auch eine ganze Menge Schlittenhunde. Die haben auch so ein eigenes privates Stück Wald, in dem sie eben diese Wege auch anlegen zum Hundeschlitten fahren. Die muss man dann speziell pflegen auch.
Dirk: Ja, wir haben den gefragt, was der denn da so macht, weil das hat ja eine Saison. Also du kannst das ja nicht ganzjährig machen. Er hat gemeint, also im Sommer läuft der halt da rum und reißt irgendwelche großen Felsen aus diesen Wegen und sorgt dafür, dass die nicht zuwachsen und alles mögliche. Und da sowas machen die Hunde ja, die chillen. Also die Hunde im Sommer sind die halt in ihren Hütten oder laufen da rum und haben nichts zu tun und dann gibt es so eine Trainingsphase, also wenn es dann anfängt mit dem ersten ausreichenden Schneefall, werden die Hunde dann mehrere Wochen lang trainiert. Das heißt, die sind dann am Schlittenhunde-Schlitten-Ziehen.
Susanne: Schlittenhunde-Schlitten-Ziehen.
Dirk: Mit Gewicht und allem, damit die halt auftrainieren. Die machen auch Wettrennen und so. Das sind preisgekrönte, super-duper Hunde, ja.
Susanne: Ja, die waren auch super süß. Die haben ja dann plötzlich alle... Es funktioniert ja folgendermaßen, weil ich habe ja dieses Hundeschlittenfahren gebucht und ich habe mir ehrlich gesagt nicht weiter irgendwie Gedanken gemacht, müssen wir da selber Hundeschlitten fahren oder werden wir gefahren oder so. Und ich dachte nur, ah, Hundeschlitten. So, stellt sich raus, wir fahren selber. Und ich dachte so, oh. Und dann haben wir also erstmal so eine Dreiviertelstunde, Stunde Einführung gekriegt, was wir jetzt bitte alles nicht machen sollen. Und wie man denn das überhaupt so macht. Also wie steht man da drauf, wo hebt man sich fest.
Dirk: Ja, Susanne hatte zum Schluss irgendwie so Panikernickelaugen.
Susanne: Ja, genau so.
Dirk: Der hat uns erzählt, was alles passieren kann, wenn man es nicht richtig macht.
Susanne: Weil das Ding ist, man sollte nicht das machen, was man normalerweise macht, wie wenn man zum Beispiel Fahrrad fährt oder Motorrad fährt, sich in die Kurve legen oder so. Nee, das ist ganz schlecht. Da fährt nämlich der Schlitten in die falsche Richtung, wenn du das tust.
Dirk: Ja, das war eine der Dinge, die ich dabei gelernt habe, ist, wenn man Schlittenhunde fährt, man kann die nicht steuern.
Susanne: Hundeschlitten meinst du?
Dirk: Schlitten, ja, man fährt nicht die Schlittenhunde, gell. Wenn die Hunde mit einem Schlitten fahren, man kann diese Schlitten nicht steuern. Das heißt, du stehst da drauf und wenn du selber, wenn du so ein Schlittenführer wärst, dann würdest du dem Hund ein Kommando zurufen. Und du bist auf diesem Schlitten hinten drauf und du musst diesen Schlitten auf Spannung halten. Du willst ja auch nicht deine Hunde überfahren, weil der Schlitten plötzlich schneller wird oder sowas. Das heißt, was du machst ist, du hältst dich an diesem Schlitten fest, versuchst dich nicht in die falsche Richtung zu lehnen und du hältst immer den Fuß auf der Bremse, weil nur wenn dieser Schlitten auf Spannung gehalten ist von den Hunden, folgt der den Hunden. Und das sind die Hunde, die entscheiden, wo der hinten gezogen wird.
Susanne: Das ist ja das Problem. Stellt euch das mal vor. Man steht so hinten auf dem Schlitten drauf, krallt sich mit den zwei Händen fest, links und rechts. Und man steht ja auch links und rechts auf den Schlitten-Kufen. Und in der Mitte ist die Bremse. Das heißt, jedes Mal, wenn ich mit einem Bein, mit einem Fuß bremsen will, muss ich aufpassen, dass mein Gewicht trotzdem in der Mitte bleibt. So, und jetzt mach das mal.
Dirk: Du hast das super gemacht.
Susanne: Ja, also es war dann so, dass die Teams dann aufgeteilt wurden und er hat dann auch Empfehlungen abgegeben, weil er gesagt hat, am Anfang geht es viel bergab, da wäre es ganz gut, wenn der schwerere hinten drauf steht und bremst. Das heißt, ich wurde richtig eingemummelt. Also du kannst nichts machen. Ja, nichts, ja.
Dirk: Du darfst die ganze Zeit auf Hundearsche gucken, die purzen auch manchmal während du laufst.
Susanne: Das ist ganz großartig.
Dirk: Ganz großartig. Du bist so auf Atemhöhe mit den Hintern der Hunde vor dir. Aber ich muss sagen, es war schon richtig toll. Auch da drin zu sitzen ist richtig toll. Also diese Schneelandschaft im Wald ist sehr, sehr geil.
Susanne: Ja, und wie beim Autofahren musst du natürlich auch Abstand halten zu deinem, zu dem Vorderteam. Ja, und dann war es so, dass wir halt hinter unserem Führer, der manchmal rückwärts auf seinem Hundeschlitten stand, um zu filmen, das fand ich echt krass, ja, während ich total beschäftigt war mit dem Bremsen.
Dirk: Wir waren zwei Stunden unterwegs. Wir waren zwei Stunden
Susanne: unterwegs, aber danach, also ich kann euch auch sagen, danach tut euch alles weh.
Dirk: Aber es war toll.
Susanne: Also am nächsten Tag von Muskeln, wo er nicht wusste, dass er die besitzt. Ja, also das war schon wirklich toll. Und dann natürlich durch diese vollverschneite Landschaft.
Dirk: Was der auch erzählt hat, ist, diese Hunde, die Teams, die müssen ja eine gewisse Balance haben und die brauchen auch eine gewisse Kraft. also was wirklich enormes ist, wenn diese Hunde loslaufen und sich reinhängen in ihr Geschirr, was die an Kraft auf diesen Schlitten bringen, ist wirklich beeindruckend. Hat er nicht gesagt,
Susanne: also wenn du so Vollspeed unterwegs bist, kannst du schon Schnelligkeiten von 35 Stundenkilometer erreichen? Ja, das hat er gesagt, ja. Also vor allem aus dem Stand raus, pesen die los?
Dirk: Innerhalb von irgendwie 20 Metern haben die ihre Höchstgeschwindigkeit, also die ziehen wirklich ordentlich rein.
Susanne: Und die haben richtig Bock da drauf, also kannst du richtig zusehen, wie die völlig in ihrem Element sich freuen und jeet weiter.
Dirk: Ja, dann irgendwann ist es jedenfalls so, dass die werden ja dann auch mal alt und er hat gemeint, in der Trainingsphase merkst du dann, ob die eigentlich noch in der Lage sind mitzuhalten. Und dann haben wir gesagt, was macht er dann eigentlich mit den Hunden, wenn die alt sind? Du kannst ja schlecht so Hundewurst verarbeiten. Und er hat gemeint, das sind halt Familienmitglieder, die hängen dann hier halt rum und alten Teil. Die laufen dann manchmal so ein bisschen einfach so mit. Und das fand ich tatsächlich auch ganz nett. Das ist deren Hauptgeschäft im Endeffekt. Über den Sommer machen die irgendwie so handwerkliches Zeug und ein bisschen Landschaftsgestaltung, wenn du so willst, und pflegen ihre Anlage. und im Winter ist es so ein Wechsel aus solchen geführten Touren oder an Wettbewerben teilnehmen. Also die züchten natürlich auch. Ich nehme an, das ist auch was, was sie dann im Sommer machen, kleine Hunde.
Susanne: Ja, es war ein Erlebnis.
Dirk: Das war wirklich toll.
Susanne: Und auch zu sehen, dass die Hunde da so viel Spaß dran hatten, das war natürlich auch schön. Ja, was haben wir da noch alles mit Benjamin und Franzi gemacht? Die waren ja hier viel auch in Toronto wieder unterwegs und shoppen und so.
Dirk: Ja, wir sind Basketball gucken gegangen. Toronto Raptors vs. Utah Jazz
Susanne: Die National Basketball Association, NBA, hat 30 Teams, 29 von den USA und eins in Kanada und das sind nämlich dann die Raptors.
Dirk: Die finde ich ein ziemlich cooles Logo haben und ich mag Dinos.
Susanne: Ja, Dinos sind immer toll.
Dirk: Und von den Raptors wie von den Maple Leafs ist die Scotiabank Arena das Heimstadion.
Susanne: Ja.
Dirk: Und hat Spaß gemacht und es war dann unsere erste Begegnung mit buhenden Kanadiern.
Susanne: Allerdings. Am Anfang wird ja immer die Nationalhymne gesungen, ja, und alle Kanadier fanden jetzt irgendwie so die US-Nationalhymne nicht so prickelnd.
[Atmo]
Dirk: Speziell den Teil, wo sie Land of the Free singen.
Susanne: Ja. Große Buherei und danach haben sie alle O Canada mitgegrölt.
[Atmo]
Dirk: Ich finde ja, es ist beides wirklich tatsächlich auch überraschend starker Gänsehaut-Moment. Also ich finde, es ist ein Gänsehaut-Moment oder ein unangenehmer Gänsehaut-Moment, wenn alle dastehen und buhen beim US-Anthem. Und das haben wir jetzt nicht gemacht. Also wir haben jetzt nicht gebuht, sondern wir sind einfach nur dagestanden, weil irgendwie, ich verstehe den Protest, aber es fühlt sich falsch an, den armen Menschen, der da vorne steht und das singt entgegen zu buhen. Aber es war ja dann auch dasselbe der Sänger, der dann auch O Canada gesungen hat und das ist tatsächlich Gänsehaut, wenn so dieses ganze Stadion als Demonstration ihres Patriotismus aus voller Brust O Canada mitsingen.
Susanne: Weißt du, was ich aber trotzdem interessant finde, ist, alle stehen so auf. Ja, also es ist dann doch noch eine Form des Respekts. Wir stehen alle auf, obwohl das US-Anzimmer als erstes gesungen wird, weil der Gast ja als erstes dran kommt. und dann haben die Raptors gewonnen. Wir hatten Spaß.
Dirk: Wir hatten Spaß. Ich meine, das Scotiabankery ist sowieso lustig. Wir waren inzwischen auch nochmal bei einem Maple Leafs Eishockey Game und da haben die Maple Leafs gegen die Montreal Canadiens, du darfst es sagen, wie es eigentlich gesagt werden muss.
Susanne: Ach, das ist Montreal Kanadier.
Dirk: Jawohl, gegen die haben sie gespielt. Das heißt, Kanadier gegen Kanadier, wie ich gelernt habe, eine generationenlange Fede zwischen diesen beiden Teams. eine Rivalität und da wird dann auch nochmal Oh Kanada gesungen.
Susanne: Und zwar wird dann gewechselt, das fängt Englisch an in der Mitte switchst du Französisch und dann wieder zurück
Dirk: auf Englisch. Wir haben ja unter anderem, haben wir ja gelernt, also du hast ja kannst du jetzt eigentlich inzwischen die französische Version
Susanne: davon? Wenn du mir den Text gibst, ja die erste Zeile kann ich auswendig und dann bin ich schon wieder lost, weil nämlich das Witzige daran ist, ich dachte mir, ach ja Die englische Version kann ich ja jetzt auswendig, ist kein Problem. Kann ich auch einfach so aus dem Stand mitsingen. Das wird ja mit der französischen Version auch so gehen.
Dirk: Sie singen was anderes.
Susanne: Singen was anderes.
Dirk: Wie anders muss ich mir denn das vorstellen? Also ich meine, das englische Oh Kanada ist ja, wir sind stolz auf das Land, es ist frei, wir sind proud, we stand on guard for thee, also wir beschützen dich.
Susanne: Der allgemeine Sense ist auch so, nur es ist mehr old-fashioned, würde ich sagen. Und dann singt man auch von wie stolz man auf die Toten ist und lauter so Zeug.
Dirk: Ah, okay.
Susanne: Ja, also klingt jetzt irgendwie makaber, aber es passt wieder, wenn man sich überlegt. Erstens mal war der französische Text zuerst da. Kanada, es war auch eine Hymne, die sie in Quebec gesungen haben, über, ich weiß nicht, Jahrzehnte wahrscheinlich, bevor das überhaupt erst zu einem kanadischen Anthem wurde.
Dirk: Das ist es erst seit 45 Jahren, also da merkt man immer, wie jung eigentlich Kanada an sich ist.
Susanne: Ja, und insofern, ja, musste das halt noch ein Jahrhundert zurückrechnen irgendwie vom Text her.
Dirk: Wenn wir es gerade haben, von wie jung Kanada ist, die kanadische Flagge hatte dieses Jahr 60. Geburtstag.
Susanne: Haben wir das mal erzählt, dass das via Wettbewerb beschlossen wurde, wie die kanadische Flagge aussehen wird? Dass wir auch
Dirk: überlegt haben, ob sie da einen Biber drauf nehmen,
Susanne: oder wie so eine Ratte aus. Ja, deswegen wurde es dann ein Maple Leaf, weil das war ja dann eindeutig. Da war doch noch irgendwas. Es war die kanadische Flagge, die 60 wurde, das Anthem 45 und da war noch irgendwas.
Dirk: Ja, der Biber. 50 Jahre ist der Biber das Nationaltier.
Susanne: Ich glaube, den
Dirk: gab es aber schon vorher.
Susanne: Ja, also 60
Dirk: Jahre Flagge, 50 Jahre Bibel, 45 Jahre Oh Kanada. Und habe ich auch gelernt, in Kanada singt man die Hymne tatsächlich in der Früh in der Schule.
Susanne: Kommt drauf an, auf welche Schule du gehst, habe ich auch gelernt.
Dirk: Ah, okay. Worauf ich jetzt aber raus wollte, war, die singen das normalerweise in der Schule in der Früh, dann vielleicht zu irgendwelchen speziellen, besonderen Anlässen. also alles, was irgendwie so offiziell ist und am Anfang von großen Sportereignissen.
Susanne: Also große Sportereignisse, auch wenn es jetzt hier so eine, ich sag mal Bundesliga ist.
Dirk: Ja, wir haben jetzt bis jetzt bei allen Sportereignissen, bei denen wir waren, am Anfang O-Canada gehört. Selbst wenn hier Maple Leafs gegen Montreal Canadiens antreten und selbst da wird dann vorher nochmal O-Canada gesungen.
Susanne: Und jetzt, wo dieser ganze Stress losgegangen ist, diese Spannung zwischen den USA und Kanada und Trump, der von dem 51st State geredet hat und die Kanadier richtig sauer sind, plötzlich, und es hat ein Orchester hier in Toronto angefangen, da kommst du also als Besucher rein und erwartest dein Ballett und die Ouvertüre, das Orchester kommt, der Dirigent schwingt seinen Stab Und plötzlich fangen die an, die Nationalhymne zu singen, zu spielen und alles steht auf und singt die Nationalhymne. Und es hat ein Orchester spontan eigentlich angefangen und es hat sich dann wie Wildfire ausgebreitet. und wir haben das jetzt auch schon erlebt, wir waren bei der Tafelmusik, wo sie Bach gespielt haben und Selenki, gleiche Ära,
Dirk: Barock halt,
Susanne: ja und das Orchester kommt rein, Dirigent kommt rein und sie spielen O Canada und alles steht auf und singt O Canada. Kanada. Ja und der Grund, warum die damit angefangen haben, in den Zeiten, wo so viel Unsicherheit ist und viele Kanadier einfach Angst haben wegen diesem Gerede, wollten sie halt was machen, was mehr die Betonung auf Gemeinsamkeit und wir sind eins legt. Und das war halt ihr Weg, das zu tun. Das fand ich jetzt ein
Dirk: schöner Weg, das zu tun.
Susanne: Ein schöner Weg, ja.
Dirk: Apropos Gerede, 51st State und so. Ist ja jetzt irgendwie vorbei. Ja. Seit wir hier Carney als Premierminister haben, so als Recap, ist ja so, dass Trudeau zurückgetreten ist. Und dann hat die Regierungspartei, das sind hier die Liberalen zurzeit, die haben dann einen neuen Parteilead gewählt, der dann praktisch automatisch Premierminister wurde.
Susanne: Mark Carney.
Dirk: und der hat dann Neuwahlen schon mal angesetzt, also einen Termin für Neuwahlen und wurde Premierminister und er hat halt sehr vom Anfang an eigentlich keinen Zweifel dran gelassen, dass er dieses Governor Trudeau und 51st State Gerede, dass das ein kompletter Showstopper für jede Art von Verhandlungen sein wird.
Susanne: Ja, sein Antrittsbesuch war auch nicht wie normalerweise, das bei jedem Premierminister ist in die USA, sondern der ist nach Europa geflogen.
Dirk: Der ist immer noch nicht in den USA gewesen, telefoniert haben sie. und es war jedenfalls so, dass es hat ja schon fast zwei Wochen gedauert, bis sie mal telefoniert haben und nach dem Telefonat war auffällig, dass ja da drüben alle irgendwie vor Mikros getreten sind und gesagt haben, wie toll dieses Gespräch war, offene Atmosphäre und seitdem, seit Carney hier Premierminister ist, wie abgeschnitten hast du nichts mehr im Sinne von 51st State und Kanada soll an die USA angegliedert werden und so. Also das Gerede ist komplett zum Erliegen gekommen.
Susanne: Was allerdings den Kanadiern völlig egal ist, die sind nämlich immer noch stinkend sauer. Und das sieht man daran, also um euch mal ein bisschen ein Bild zu geben in den USA, der Tourismus in den USA, wenn du die 100% nimmst, 20% von diesen 100% werden von Kanadiern gestellt, die regelmäßig in die USA kommen, um dort Urlaub zu machen oder da auch ein Haus haben. weil sie überwintern, die nennt man dann Snowbirds, die verkaufen ihre Häuser gerade in den USA. Leute, die seit Jahrzehnten in die USA reisen, sagen, nö, wir finden jetzt was anderes.
Dirk: Ja, Kanada hat sich gezwungen gesehen, eine ganze Reihe von Verbindungen einzustellen, weil die Flugzeuge einfach leer waren.
Susanne: Ja, also auch hier kommst du jetzt super durch Customs durch, weil ist nichts mehr los. Dann werden natürlich auch Berichte laut, und ich glaube, das gilt für Europa genauso, dass Leute einfach festgesetzt wurden an der Grenze. Und es ist hier auch einigen Kanadiern passiert, die dann irgendwie so 10 bis 14 Tage irgendwo im Nirgendwo nicht wussten, was mit ihnen passiert. Kein Zugang zu einem Rechtsanwalt. Ja, also völlig absurd. Unter nicht menschenwürdigen Bedingungen vor sich hin vegetiert haben, bis sie endlich wieder zurückkamen und nicht mal wussten, warum sie jetzt eigentlich festgehalten werden. Ja, also das hat sich noch nicht gelegt. Unter anderem die Buy Canadian oder Buy Beaver Bewegung auch. Inzwischen gibt es in allen Supermärkten ist ausgezeichnet von wo das Produkt kommt. Ist es ein Kanadisches Produkt oder nicht? Das hört nicht auf. Die sind nach wie vor sauer.
Dirk: Und dann ist es auch den Kanadiern natürlich sehr präsent, dass viele Dinge, die hier wichtig sind, dort drüben plötzlich pfui bebe sind.
Susanne: Also so Diversität und so.
Dirk: Ja, so viele Dinge, wo
Susanne: Kanadier einfach unglaublich wichtig finden. Wie zum Beispiel eben, wir sind alle gleichwertig.
Dirk: Ja. Ja. Also der Ärger ist nach wie vor.
Susanne: Der Ärger ist nach wie vor da. Es gibt ja auch dieses eine Beispiel von dieser Bibliothek, die genau auf die Grenze gebaut ist, wo es eigentlich der Haupteingang in den USA ist, aber in der Mitte der Bibliothek geht so ein Strich durch und auf der einen Seite ist halt Kanada, auf der anderen Seite ist USA. und das war jetzt jahrzehntelang kein Problem und Kanada dürfen jetzt nicht mehr den Haupteingang benutzen und jetzt sind sie halt da ein bisschen am Umbauen, aber es ist halt, ja, ich finde es einfach nur schade, es ist traurig.
Dirk: Mal sehen, hier ist jedenfalls jetzt noch eine Woche lang Wahlkampf, wir hatten heute...
Susanne: Oh, vielleicht sollten wir das mal kurz erwähnen, die Kanadier machen ähnlich wie in Europa Wahlkampf, nämlich das sind sechs Wochen, dann ist die Wahl und dann ist der Spuk auch wieder vorbei. Die sind also nicht so bekloppt wie die südlichen Nachbarn?
Dirk: Die machen auch keinen Wahlkampf, der sich daran bemisst, wer am meisten Fundraising betreibt. Also was mir in den USA immer auffällt, ist, dass es ihnen eigentlich in erster Linie nur darum geht, zu dokumentieren, wer mehr Spendengelder eingesammelt hat und dadurch dann eben deren Werbebudget und so weiter geht dann hoch und ihre Rallies und überhaupt. Das scheint hier in Kanada nicht so zu sein.
Susanne: Die müssen, glaube ich, eine bestimmte Summe...
Dirk: Ja, aber das ist nicht, also wenn du, die haben praktisch so eine Gebühr, die sie zahlen müssen, um sich als Kandidat aufstellen lassen zu dürfen und das sind ein paar hunderttausend Dollar. Ja, das sind keine
Susanne: Millionen oder so, ich glaube es sind dreihunderttausend Dollar oder so.
Dirk: Ich meine, es ist trotzdem ein großer Geldbetrag, aber wenn du Premierminister werden willst, dann hast du diese Kohle vielleicht auch oder weißt, wo du die herkriegst. und wenn du Premierminister werden willst und 300.000 Dollar Antrittsgeld sind die Hürde, über die du nicht rüberkommst, dann bist du vielleicht auch nicht gerade Premierminister-Material, das würde ich jetzt mal so in den Raum stellen.
Susanne: Jedenfalls, die Wahlen sind jetzt am 28. und da habe ich dann auch einen Tag frei für die Federal Election.
Dirk: Von Gesetz her müssen Arbeitgeber dir drei Stunden freigeben, irgendwo über den Tag verteilt, um zum Wählen gehen zu können und viele Unternehmen geben halt entweder einen Tag oder einen halben Tag frei für den Zweck. Das ist jedenfalls nicht wie in Deutschland an einem Sonntag, sondern es ist unter der Woche. Ich glaube, sie hatten jetzt zwei Debatten und diese Termine sind meistens so, dass sie eine englische und eine französische Debatte machen. Das fand ich tatsächlich ganz interessant und gefühlt sind die hier relativ unaufgeregt. Auch in ihren Debatten ist das alles immer noch sehr gesittet.
Susanne: Na Gott sei Dank.
Dirk: Angenehm, sich anzugucken. Im Augenblick sieht es tatsächlich immer noch so aus, als wenn die Liberalen wahrscheinlich die Regierung stellen werden.
Susanne: Wie gesagt, ich finde ja die Schachzüge, die sie so gemacht haben, brillant. Weil alle hatten ja damit gerechnet, dass Trudeau wird ja weiterhin sich aufstellen lassen und dann weiß dann irgendjemand mal ein Misstrauensfoto mal durch und deswegen die Neuwahlen ausgelöst werden. Das ist ja alles nicht so gekommen, sondern Trudeau hat sozusagen seinen Job aufgekündigt, ist freiwillig gegangen, so kam Kani rein und Kani hat dann tatsächlich gesagt, weil es ist ja jetzt auch der perfekte Zeitpunkt für die Liberalen, weil wer wird denn jetzt die Regierung wechseln, wo sie gerade sehen, der hat eine starke Hand, was den südlichen Nachbarn angeht, das ist ja die große Bedrohung. Ja, also ich finde es strategisch krass.
Dirk: Großartig, ja.
Susanne: Ja, toll.
Dirk: Es ist auch so, dass Pogliere, der Anführer der Konservativen hier, der hat jetzt jahrelang praktisch auf so einer ähnlichen Welle geritten, wie das, was man in Europa gesehen hat und das, was auch Trump an die Macht gebracht hat. Und der ist hier oft auch dadurch aufgefallen, dass er sich darüber aufgeregt hat, wie woke hier alles wäre und überhaupt. Und ich habe so eine Analyse von den letzten Debatten gehört, wo sie gesagt haben, das Wort Vogue ist ihm nicht einmal über die Lippen gekommen, seit jetzt hier Wahlkampf ist, weil am Himmelswillen nicht gesehen werden will, als jemand, der nah am Trump-Lager mehr ist. Also das, was davor irgendwie so aussah, als würde ihn das zum Premierminister machen hier, ist jetzt halt toxisch. Also er versucht jetzt gerade verzweifelt, sich eben möglichst weit Abstand von Trump zu halten. Das Hauptthema, das auch hier ein Problem ist, ist Cost of Living. Das ist das, was er versucht eben als sein Wahlkampfthema weiter voranzutreiben. Aber die Dinge, die er am meisten angegriffen hat, waren halt Trudeau und die Carbon Tax. und keine kamen halt jetzt ins Amt und das erste, was er gemacht hat, war die Carbon Tax auszusetzen und Trudeau ist weg. Das ist halt jetzt die zwei Dinge, die hier die Kanadier in die Arme der Konservativen getrieben hat, sind dann schon mal abgeräumt worden und dann ist es so, dass im Moment hier keiner das Gefühl hat, in Kanada ist alles so schlecht, lass uns mal alles auf links drehen, sondern eigentlich wollen sie gerade lieber zur
Susanne: Beständigkeit, wir erhalten den Status Quo, so wie es jetzt gerade ist, weil sowieso schon so viel Trubel überall. Also wie gesagt, das ist strategisch großartig.
Dirk: Was ich lustig finde ist, die Australier wählen auch gerade. Auch die haben übrigens sechs Wochen oder so. Und in Australien ist es gerade für den konservativen Kandidaten echtes Problem, dass er zu sehr wie Trump früher geklungen hat und er versucht sich von Trump zu distanzieren, aber das schadet ihm gerade in dem Wahlkampf.
Susanne: Da könnte man ja sagen, Trump hat auch positive Effekte.
Dirk: Er hat
Susanne: ja auch unter anderem den positiven Effekt, dass die Kanäle sich zusammengerottet haben und jetzt die Handelsgrenzen zwischen den Provinzen sinnvoller gestalten, damit sie nämlich innerhalb von Kanada mehr Handel treiben können, das dann nicht so teuer wird.
Dirk: Mal sehen.
Susanne: Mal sehen, ja. Jedenfalls kann ich sagen, jetzt jedenfalls für mich, mental geht es mir jetzt besser als noch vor zwei Monaten. Ich fühle mich irgendwie aufgeräumter mit der Situation. Je mehr ich mich damit auseinandersetze, umso weniger gefahrenvoll fühlt sich das an, weil ich ja auch zusehen kann, wie Kanada damit umgeht oder wie Europa damit umgeht. Ich muss sagen, von hier aus macht Europa eine großartige Figur.
Dirk: Ja. So, jetzt haben wir uns runtergezogen. Jetzt kommen wir mal vom Thema wieder hoch.
Susanne: Wir waren immer noch bei Benjamin und Franzi. Ja, und wir sind ja, ich habe mir so ein persönliches Ziel gesetzt. Ich will mir hier so nach und nach diese ganzen Event-Locations, möchte ich sehen. und eine Eventlocation, die alle gesagt haben, wo ich mal unbedingt hin muss, ist die Messay Hall. Und dann habe ich gedacht, ach, gucke ich doch mal, was da so für Events gibt und habe dann da ein Klavierkonzert gebucht. Als die zwei da waren, dann sind wir also ins Klavierkonzert gegangen in die Messay Hall und ich kann sagen, die Messay Hall, die ist echt cool. Und ich wusste auch nicht, was für Töne man alles aus einem Klavier rausholen kann.
Dirk: Wie hieß das, Pianosphäre oder so?
Susanne: Ja, das war Peter Benko, der hat
Dirk: auf jeden Fall moderne Musik gespielt, also Popmusik überwiegend, mit Piano.
Susanne: In seiner Version.
Dirk: Unglaublich genial, also er hat dieses Piano für alles benutzt, als Percussion, er hat an den Saiten gezupft, er hat da drauf rumgeklopft, also es war unglaublich genial.
Susanne: War schön, ja war echt ein schöner Abend.
Dirk: und viel, viel Licht auch, also die haben viel mit auch. Lichtshow, ja. Ja, der war halt eigentlich alleine auf der Bühne, also da waren keine anderen Musiker, da war nichts anderes außenrum außer er und er hatte halt so eine Loopstation, dass er halt Töne aufnehmen und wieder abspielen kann und so und da hat er zwischendurch immer wieder mal Dinge erklärt und gesagt, ja, aber im Grunde war die Performance das Piano und der Musiker und die Lichtshow. War toll. Aber das war ja nicht das einzige tolle Theater, das wir besucht haben.
Susanne: Dann das nächste, was ich immer mal sehen wollte. Es gibt ein sogenanntes Stacked Theater hier in Toronto. Das ist eines der letzten, die übrig geblieben sind. Das heißt, es sind zwei Theater, die übereinander gebaut sind. Und dann sind wir die Rolltreppen da hoch und hoch und hoch und ich dachte, meine Güte, wo kommen wir denn da hin? Und dann kommen wir in dieses Theater rein und es heißt Wintergarten und es sieht aus, als würdest du einen Zauberwald betreten. Also das Theater sieht aus wie ein Zauberwald. Du hast dann so Blätter über dir und Baumstämme und aus diesen Blättern hängen verschiedenfarbige Lampen raus. Also so Lämpchen. Also es ist völlig zauberhaft. Die Bühne, der Himmel über der Bühne, das ist so wie so ein Sternenhimmel und dann gibt es noch eine Lampe, die so ein bisschen wie so ein milchiger Mond aussieht. Also voll schön. Also so krass.
Dirk: Das war anscheinend üblich. Ich denke in den
Susanne: 20er, 30er war das ja. Ja, es gab
Dirk: anscheinend eine ganze Reihe von so übereinander gebaute Theater, wo du zwei Theater in einem relativ hohen Haus hattest. Dieses Konzept allein stellst du dir die Frage schon, warum? Aber ja, es ist zumindest mal hier auf jeden Fall in Kanada das letzte Verbleibende. und dieses Konzept alleine war schon seltsam, aber dieses Theater war schon sehr, sehr beeindruckend. Ansonsten haben wir auch momentan wieder Eishockey-Fieber, weil im Augenblick sind NHL-Playoffs. Ah, Stanley Cup! Also ich rede ja hier wieder blinde von der Farbe, ich habe ja tatsächlich keine Ahnung. Das Einzige, was ich sagen kann, ist von all den Sportereignissen, die ich mir bisher so angeguckt habe und ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele verschiedene Sportereignisse angeguckt wie hier in Kanada. Aber das Einzige, von dem ich wirklich behaupten kann, da habe ich aber mal echt Spaß dran, ist Eishockey. Ja. Und ich muss da gar nicht wissen, in welcher Liga die gerade spielen. Ich muss auch gar nicht wissen, wer gerade vorne ist oder sonst was. Aber ich kann auf jeden Fall mit fester Stimme sagen, mir egal, wer da spielt, wenn ich in die Scotiabank Arena gehe, um mir dort Eishockey anzugucken, das ist jedes Mal ein großer Spaß.
Susanne: Dann erkläre ich das jetzt mal dem auch nicht wissenden, vielleicht nicht wissenden Zuhörer. Es gibt ja die NHL, die National Hockey League, die besteht aus 32 Teams, von denen 25 aus den USA kommen und sieben aus Kanada. Und die machen halt so, ich vergleiche das immer so ein bisschen mit der Bundesliga oder wenn man jetzt Länderspiele anguckt, wer qualifiziert sich für den World Cup oder so. Die spielen halt unterm Jahr auch, um sich dann für die Stanley Cup Playoffs zu qualifizieren. Und das ist jetzt wieder passiert. Die Maple Leafs sind beim Stanley Cup mit dabei. Und wenn man von Stanley Cup Playoffs redet, dann ist es wie diese Phase im World Cup nach den Gruppenspielen. Das ist halt im Grunde Achtelfinale, dann Viertelfinale, dann Halbfinale, dann Finale. So, das heißt, die Toronto Maple Leafs, die sind jetzt eine von den letzten 16, also die, die jetzt um den Stanley Cup spielen. Spielen und dann haben wir festgestellt, okay, die machen jetzt also ein Spiel, aber warum kann ich denn so viele Spiele, theoretisch Karten dafür kriegen und haben dann festgestellt, nee, nee, die machen nicht ein Spiel im Achtelfinale pro Paarung, sondern die machen sieben Spiele. Das heißt, die Toronto Maple Leafs spielen jetzt dann, ich habe es schon wieder vergessen, gegen Ottawa sieben Spiele, um dann rauszufinden, wer in die nächste Runde kommt. Das kann natürlich schon sein, dass nach vier Spielen das schon erledigt ist. Also wer dann vier schon gewinnt.
Dirk: Man muss halt vier aus sieben gewonnen haben, um eine Runde weiterzukommen. Und das bedeutet natürlich, wenn man viermal hintereinander gewinnt, dann ist es vorbei mit den sieben Spielen. Dann brauchen wir die anderen drei auch nicht mehr machen.
Susanne: Genau. Und so funktioniert es jetzt bei jeder Runde. Also die Playoffs Round 1 ist das Achtelfinale, Playoffs Round 2 ist das Viertelfinale und so weiter. Und es sind jeweils immer sieben Spiele mit dem gleichen Gegner.
Dirk: und es wird gespielt, bis eine Mannschaft gewonnen hat, weil als wir jetzt letztens waren, da war es dann so, dass es 0-0 stand, als das Spiel vorbei war und dann gab es Overtime und bei der Overtime war dann plötzlich für jede Mannschaft nur noch drei Spieler auf dem Eis und dann war das alles ganz zack zack, also das ging dann echt schnell.
Susanne: Wie lief es innerhalb von 35 Sekunden, ihr Tor reingemacht? Naja, also wie gesagt, wir haben Spaß an Eishockey, was ja toll ist. Wir gehen jetzt demnächst auch mal hier zu einem Baseballgame. Das machen wir dann, wenn der Flo da ist und berichten dann auch, wie das Baseball sich... Da gibt es übrigens 30 Teams in der MLB Major League Baseball. Ich lerne ja gerade diese Begrifflichkeiten, weil mir war das ja immer völlig Wumpe. Aber inzwischen komme ich da auch ein bisschen durcheinander. Und auch da ist es so, 29 Teams sind von den USA, ein Team von Kanada und die sind hier in Toronto, sind die Blue Jays. Und die gehen wir uns demnächst angucken.
Dirk: Ich muss allerdings sagen, ich sehe keine Zukunft, in der ich plötzlich Baseball-Fan werde. Also ich gehe da in erster Linie hin, weil ich einfach die Blue Jays einmal gesehen haben will und ich möchte mal sehen, wie das ist, wenn das Rogers Center in vollem Betrieb ist. Und ich glaube, das macht dann auch mal Spaß für zwei Stunden. Aber ich war schon mal bei einem Baseball-Game in Atlanta, glaube ich war das. Und ich muss sagen, das zieht sich schon arg. Aber was dann vielleicht dann hier irgendwann auch nochmal fällig ist, dann haben wir ja nächstes Jahr, glaube ich, ist doch das World Cup.
Susanne: Ja, ist Fußball.
Dirk: Ja, dann gehen du und ich zum ersten Mal in ein World Cup Game hier.
Susanne: Dann müssen wir dann mal gucken, wo die überhaupt spielen.
Dirk: Ja, also wir haben ja eine Arena hier, die wir noch nicht angesteuert haben, das ist BMO Field. Das ist das, wo die halt Fußball oder American Football spielen.
Susanne: Ja.
Dirk: Oder wahrscheinlich auch Rugby oder so, ich habe ja keine Ahnung.
Susanne: Ich auch nicht.
Dirk: Aber vielleicht steht es dann auch nochmal irgendwann an. Wie gesagt, ich war noch nie so oft in irgendwelchen Live-Sportereignissen, wie seit wir hier sind.
Susanne: Ich kann das nicht sagen, weil ich war ja schon öfter beim Fußball. Damals, als der SC Freiburg noch in der ersten Liga gespielt hat.
Dirk: Ich gehe auch mit dir hier in den Fußball. Kein Problem. Wir waren immerhin hier bei der Südkurve Toronto.
Susanne: Ja, ich muss sagen, es macht auch richtig Spaß, diese Sportereignisse. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Fun sein kann.
Dirk: Ja, es gibt einen Grund, warum diese Stadien immer voll sind. Stellst dich raus, es macht Spaß.
Susanne: Und es ist auch richtig lustig. Also wirklich lustig. Und was mir jetzt bei dem Spiel, jetzt bei dem letzten Eishockeyspiel aufgefallen ist, Das ist einfach dieses Wir-Gefühl, scheißegal für welche Mannschaft, du hast ja die Fans untereinander, auch mit den verschiedenen Trikots, hast du Späßchen machen sehen miteinander und das ist einfach nett.
Dirk: Vor uns saß ein Ehepaar, wo er das rote Shirt der Montreal-Kanadier-Haaren hatte und sie hatte ein Maple Leaf-Shirt an. Offensichtlich mochten die sich trotzdem.
Susanne: Ja, das ist auch blöd, sich wegen Sport in die Haare zu kriegen.
Dirk: Ich glaube auch das geht.
Susanne: Ja, ja, aber ich muss sagen, das ist auch jedes Mal so ein Gemeinschaftsevent. Vielleicht ist deswegen das der Spaßfaktor. Keine Ahnung.
Dirk: Ja, ansonsten so zum Ende unserer Sendung hin. Wir waren am Handlingspoint.
Susanne: Letztes Wochenende war so schön, das Wetter am Sonntag. Es war glorreiche 8 Grad, aber die Sonne schien und wir haben ein Watertaxi genommen, wie gesagt. Uli Uli!
Dirk: mit dem Watertaxi, wir gehen also hier unten aus dem Haus, überqueren die Straße und dann stehen wir vor den Watertaxis, dann steigt man in so ein Watertaxi ein, wartet fünf bis zehn Minuten, bis alle anderen auch eingestiegen sind, dann fährt dieses Ding über den See, das sind fünf Minuten, der fährt fünf Minuten darüber und dann bist du auf Toronto Island. Und auf Toronto Island, Hennans Point, wo wir da waren, ist die Seite von Toronto Island, die unter anderem auch die meiste Strandfläche hat. Das heißt, das ist eigentlich eine Parkanlage, an deren Rand eine Düne und ein Sandstrand ist. Und das hat sozusagen sofort Sylt-Vibes, wenn man da drauf läuft.
Susanne: Absolute Sylt-Vibes. Ich muss auch mal sagen, Strand bringt man jetzt nicht unbedingt mit Toronto in Verbindung, aber wir haben hier mehrere Strände.
Dirk: Und alles immer Sandstrände.
Susanne: Sandstrände, ja. Ich weiß, klingt komisch, ist aber so. Ja, und unter anderem gibt es da drüben einen Strand, wo Kleidung optional ist. Und da haben wir dann auch den ersten Nacktwanderer. Da hat uns der erste Nacktwanderer begrüßt, ja. Acht Grad fühlen sich tatsächlich nicht kalt an hier. Ja, wollte ich auch nochmal sagen, weil ich habe dann irgendwann mal mein Jäckchen dann auch ausgezogen, weil es mir echt zu warm war.
Dirk: Siehst du, wenn wir da lang genug gewesen wären, wärst du irgendwann auch nackt rumgelaufen.
Susanne: Naja, wenn du an einer Stelle bist, dann musst du Windgeschütz, ach ist ja auch egal, aber ich meine, jo.
Dirk: Ja, es geht halt jetzt hier los und dann ist ja hier der Frühding, wie uns die Einheimischen versichern, ist relativ kurz. Also das waren so plötzlich, blüht alles und dann zack ist Sommer.
Susanne: Ja, und der Sommer ist toll.
Dirk: Dann?
Susanne: Ist das jetzt alles von deiner Liste?
Dirk: Das allerletzte, was ich hier noch auf der Liste habe, da haben wir uns heute früh beim Frühstück drüber unterhalten, ist Dinge, die uns hier nach wie vor verwirren. Und das ist eine Sache, da muss ich sagen, da knirscht es in meinem Gehirn jedes Mal.
Susanne: Lass mich anfangen. Ich glaube, ich habe da schon mal drüber abgelästert, wobei das nicht lästern ist. Und zwar das Datumsformat machen die ja in den USA anders als der Rest der Welt. und jedes Mal, wenn ein Kollege zu mir sagt, 5-7, dann brauche ich diese 10 Sekunden, wo mein Gehirn überlegt, Moment mal, ach, das hat ein Amerikaner gesagt, der meint also jetzt nicht Juli, nee, der wird ja dann Mai, ah, der 7. Mai, okay. Und dann ist mein Gehirn wieder eingenordet. Aber so haben wir das eben, dieses Gleiche, weil wir halt so nicht aufgewachsen sind, das nicht kennen, haben wir halt diese Zeit, die wir brauchen und nachdenken müssen.
Dirk: Interessanterweise ist mir das übrigens hier aufgefallen, dass hier in Kanada begegnet dir beides. Die geben dir meistens, wenn du irgendwo ein Datum angeben musst, geben die dir vor, Monat, Tag und so. Und da ist relativ oft so die Verteilung, wie wir es aus Europa kennen, also Tag, Monat, Jahr.
Susanne: Oder Jahr, Monat, Tag.
Dirk: Genau, gibt es auch. Also hier, wenn man als US-Amerikaner sich denken kann, wir machen natürlich immer den Monat zuerst und dann den Tag und als Europäer kann man sich denken, wir machen natürlich zuerst den Tag und dann den Monat, dann kann man hier in Kanada das nie so genau sagen, weil es ist mal so, mal so, mal so.
Susanne: Ich glaube, je nachdem, was für Online-Forms die benutzen und wo das aufgesetzt wurde, ist es dann halt so.
Dirk: Aber selbst bei Behördenvorgängen und so, es gibt einfach keinen Standard. Es ist nirgendwo vorgeschrieben. Das macht jeder so, wie er es richtig findet.
Susanne: Aber ich meine, die schreiben wenigstens hin, wie sie das Format haben wollen.
Dirk: Und wozu es dann führt, ist natürlich, es gibt manchmal halt Datenangaben, da willst du es aber trotzdem unmissverständlich haben. Zum Beispiel beim Verfallsdatum. Auf Packungen. Auf Packungen. Und deswegen, also zwei Dinge haben wir heute früh auch drüber geredet, sind uns hier in Sachen Packungen im Alltag aufgefallen. Nummer 1 ist, dass wir hier schlagartig Packungen nicht mehr lesen können.
Susanne: Ja, weil die Schrift so mini-mini ist und die Buchstaben so eng zusammengeschrieben sind. Ich kann das nicht lesen, nicht mal mit Brille.
Dirk: Ja, die schreiben mehr drauf. Erstens schreiben sie mehr drauf. Zweitens in einer unglaublich kleinen Schriftart. Und drittens dann auch gerne mal auf riffelige Packung drauf. Also gerade bei unserem Waschzeug ist das Problem, dass ich, selbst wenn ich eine Brille auf der Nase habe oder das Vergrößere. Und ich gucke drauf, muss ich trotzdem mich echt hart anstrengen, weil das einfach eine unebene Oberfläche ist, auf die die dann gnadenlos uneben drauf gedruckt haben. Ja, so das ist eine Beobachtung. Und die andere Beobachtung ist, jedes Mal, wenn ich versuche rauszufinden, was ist denn jetzt nur das Verfallsdatum? Da wollen sie es ja sicher machen, dass man weiß, welches Datum es ist. Und deswegen schreiben die dort den Monat abgekürzt drauf.
Susanne: Wobei man auch da sagen muss, dafür gibt es leider keinen Standard hier.
Dirk: Das macht also jeder anders. Das heißt, manchmal sieht man da brrrts.
Susanne: Ja, vor allem, man sieht dann auch nicht drei Buchstaben für den Monat, sondern zwei.
Dirk: Ja, also manchmal sieht man auch nur einen, manchmal sieht man zwei, manchmal sieht man drei, manchmal sieht man erst die Buchstaben, dann die Zahl, manchmal sieht man erst die Zahl und dann die Buchstaben. und zum Beispiel der Unterschied zwischen Juni und Juli wird dann auch gerne mal eben nicht mit drei Jun und Jul oder so gemacht, wie man es vielleicht in Deutschland machen würde. Ne, da ist dann JL und, na, JL oder JY habe ich schon gesehen, das ist dann Juli, ja, oder JN oder JE, das wäre dann Jun. Und das ist dann so, man muss, um zu verstehen, was für ein Datum man da vor sich hat, muss man praktisch im Kopf die englische Schreibweise des Monats durchgehen und sich überlegen, bei diesem Lückentext, was haben die denn jetzt vermutlich gemeint?
Susanne: Das ist wieder ein tägliches Kreuzworträtsel.
Dirk: Ja, wenn da nur ein J steht, dann darfst du davon ausgehen, es ist wahrscheinlich Januar, weil es ist der erste J-Monat im Jahr. Ja, also, oh mein Gott, es ist, also, um es englisch zu formulieren, it breaks my brain. Jedes Mal. Ich schaue auf, wenn ich an den Kühlschrank so eine Packung rausnehme und ich will verstehen, ist es jetzt noch gut oder nicht. Ja, dann ist es jedes Mal, wenn ich irgendwie in Deutschland drauf gucken würde, würde ich es auf einen Blick wissen. Ich wüsste erstens, wo ich es finde und zweitens wüsste ich, was es heißt.
Susanne: Ja, und das ist auch, wo du es findest, auch das ist komplett unterschiedlich.
Dirk: Ja, oder auch beim Einkaufen. Du stehst vor dem Regal, nimmst die Eier und möchtest die Packung von Eiern mitnehmen, die noch am längsten hält. Dann sind so drei verschiedene Generationen von Eiern vor dir. Und wenn du da außerdem noch zwei verschiedene Hersteller hast, die das unterschiedlich draufdrucken an unterschiedliche Stellen, hast du dann so sechs verschiedene Dimensionen, an denen das variiert.
Susanne: Ja, da verbringst du dann schon mal fünf bis zehn Minuten vor dem Eierregal.
Dirk: Ja. Oder du beschließt einfach im Zweifel erstmal die jetzt alle auf einmal. Ist mir egal.
Susanne: Oh, apropos essen alle auf einmal. Ich habe Hefezopf gebacken.
Dirk: Oh, das ist glorious.
Susanne: Ja. Ich meine, vielleicht an dieser Stelle habe ich jetzt gerade letzt auch eine Diskussion geführt, weil das mir aufgefallen ist. Und vielleicht habt ihr ja da auch irgendwelche Meinungen zu. Ich habe den Punkt gemacht, wenn ich Amerika höre, denke ich nicht an die USA, sondern ich denke an den Kontinent. Und der Kontinent hat nun mal 35 Länder und da würde ich fragen, welches Land. Aber dann spannt sich die Diskussion so rum, dass wenn man von Leuten redet, redet man ja von Amerikanern und man meint eigentlich die Leute, die in den USA wohnen. Ein Teil der Diskussion war dann auch, es gibt ja auch keine gute Alternative dafür, weil du sagst ja nicht USAler oder so. Aber du sagst zum Beispiel Kanadier oder Mexikaner oder, weiß ich nicht, Brasilianer. Aber Amerikaner ist klar, reden wir von den USA, Leuten, die in den USA wohnen. Wenn es aber um das Land selber geht, würde ich nie Amerika sagen und USA meinen. Ich würde immer US oder USA sagen. Ja, aber nicht so Kanadier oder generell. Ich glaube, das ist so ein ganzes Ding auf dem Kontinent, auch im südlichen Amerika, dass wenn du sagst America, dass du die USA meinst. Das ist sehr verbreitet. Und mich hat es halt einfach völlig immer aus dem Tritt gebracht, weil ich immer gedacht habe, wovon reden die denn jetzt? Reden die jetzt nur von den USA oder reden die jetzt? Und dann auch da musste ich wieder diese Transferleistung machen und überlegen, wer ist es denn, der das jetzt sagt? Ah, ein Kanadier wird also wahrscheinlich die USA meinen oder ich erschließe es mir aus dem Kontext. Aber so als Europäer würde ich das nie einfach annehmen. Also jedenfalls ich nicht in meiner kleinen Bubble. Ich glaube, das ist in der Entwicklung aus dem Sprachgebrauch, weil es heißt ja auch United States of America und dann eigentlich sagst du wahrscheinlich US American oder so und deswegen aus Faulheit wurde daraus dann eben America American.
Dirk: Ja, mein Beispiel ist ja, die Großbritannier sind ja nicht Großbritannier, sondern Briten.
Susanne: Ja, ja, genau, deswegen sage ich ja, das ist wahrscheinlich Sprachfaulheit, nur was das Land angeht, das verstehe ich halt wiederum nicht. Also das verwirrt mich nach wie vor. Ich meine, es ist ja so, als würdest du, wenn du Frankreich meinst, Europa sagen.
Dirk: Ja, wir haben halt keine Vereinigten Staaten von Europa als eines der Länder. Also das Wort Europa ist nicht doppelt benannt. Und hier ist es halt zweifach verwendet. Ich glaube, das sorgt dann nochmal für diese Komplexität. Und ich glaube, der Unterschied für mein Sprachempfinden ist jetzt auch, wenn du sagst, ich reise nach Amerika, dann stellt sich die Frage, wo in Amerika? Und dann ist es halt potenziell überall auf dem Kontinent. Das ist wie, ich reise nach Afrika oder ich reise nach Asien. Wenn ich aber von Amerikanern rede, dann wäre das eben ganz eindeutig die USA.
Susanne: Richtig, aber nicht so für Kanadier oder halt auch Südamerikaner. Ja, die würden sagen, wenn ich sage, I go to America, ja, dann würde jeder denken, du meinst die USA. Und völlig weird irgendwie, also wirklich seltsam für mich jetzt. Und da hatte ich dann auch eine Diskussion mit einer Freundin in den USA. Und die meinte dann, ja, wesentlich siehst du dich als Deutscher oder als Europäerin? Und da habe ich dann auch gedacht, hm, früher, so wie ich aufgewachsen bin, Damals waren die Länder noch total getrennt. Also wir hatten verschiedene Währungen, da musste ich noch meinen Ausweis herzeigen, wenn ich die Grenze überquert habe und so weiter. So bin ich aufgewachsen. Und dann ist das alles zusammengewachsen und wurde daraus Europa, also die EU. Und plötzlich hatten wir alle eine Währung und die Grenzen und ich würde sagen, das ist mehr so eine Entwicklung. Früher habe ich gesagt, ich bin Deutsche, jetzt sage ich, wenn ich mich verlinke, ich bin Europäerin.
Dirk: Ja, ich habe darüber auch nachgedacht und bei mir ist es so, dass es davon abhängig ist, worüber ich rede. Also wenn es nur um mich selber geht, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich sage, ich bin Deutscher. Und dann erkläre ich, was ich damit speziell meine, worin sich mein Deutschsein ausdrückt. Also wenn ich zum Beispiel zu Daryl, unserem Trainer, wenn ich da zu spät drüben bin, sage ich ihm, meine deutsche Seele weint, weil ich zu spät bin. Wer weiß, ob mir die deutsche Staatsbürgerschaft demnächst mal entzogen wird, wenn es zu oft passiert. Aber da würde ich nicht sagen, meine europäische Seele weint. Schon klar, weil in Spanien
Susanne: und so, es gleicht sich alles aus.
Dirk: Eben. Und während ich aber, wenn ich jetzt öfter im Arbeitsumfeld rede, rede ich dann schon eher von mir als Europäer und meine damit eben so Sachen, die aus europäischer Sicht üblich sind. Dass wir zum Beispiel alle unsere Freizeit gleichwertig wichtig finden wie unsere Arbeitszeit beispielsweise. Das hat Europa schon ziemlich gemeinsam, so einmal ganz allgemein. oder dass wir als Europäer bestimmte Werte vertreten, da tritt dann irgendwie dieses Deutschsein in den Hintergrund. Und deswegen sage ich, wenn ich persönlich angesprochen werde, sage ich meistens schon, dass ich aus Deutschland komme und ich bin Deutscher und das ist so der kulturelle Hintergrund, aber ich sehe mich als Teil, also ich bin Europäer dann als so eine Oberkategorie.
Susanne: Ja, so kann man das gut definieren. Und das ist schön.
Dirk: Und jetzt sind wir auch noch so halbe Kanadier.
Susanne: Sagen wir mal Honorary Canadians.
Dirk: Temporary Canadians.
Susanne: Ja, Temporary Canadians.
Dirk: Ja, genau, in dem Zusammenhang. Nein, wir wissen auch immer noch nicht, wie es jetzt ist mit Residency und so. Es ist alles immer noch ongoing. Mal gucken.
Susanne: Ja, ich schätze mal nach der Wahl vielleicht dann.
Dirk: Irgendwann schon. Werden wir mal was hören.
Susanne: Wenn sich hier mal wieder alles ein bisschen normalisiert.
Dirk: So ist es. Und damit haben wir jetzt aber wirklich unsere Liste komplett.
Susanne: Ja, und wir freuen uns auf die nächsten Erlebnisse, weil das Jahr hat noch viel in petto für uns.
Dirk: Ja, jetzt wirst du ja jetzt erstmal wirklich alt.
Susanne: Sehe ich gar nicht so. Ich freue mich da richtig drauf. Ich meine, die 40er waren jetzt auch schon echt cool. Und denke ich mir, ach, wird jetzt auch nicht viel anders. Also was ich so feststelle ist, mir werden Sachen unwichtiger, also Dinge, aber dafür Erlebnisse wichtiger. Also Erfahrungen, die wir zusammen machen oder Gespräche, die ich habe. Ich meine, die waren schon immer wichtig, aber es tritt so zurück.
Dirk: Ja, wir haben jetzt dann was, ein Golden Anniversary?
Susanne: Ach ja, oh, habe ich auch gelernt, hat mir meine amerikanische Kollegin letzte Woche erzählt, dass wenn man jetzt zum Beispiel am 20. April 20 wird, dann hat man einen Golden Birthday. Oder wenn man dann das 17. Jahr in einer Beziehung feiert, am 17., wie das so bei uns der Fall ist nächste Woche, dann haben wir einen Golden Anniversary.
Dirk: 17 tolle Jahre.
Susanne: 17 tolle Jahre.
Dirk: Krass, 17 Jahre. Ich muss da erstmal noch drüber nachdenken. Aber ja, ein Golden Anniversary. Und damit beenden wir jetzt die wievielte Folge eigentlich?
Susanne: Wahrscheinlich die 17.
Dirk: Die 17. Nein, ich habe keine Ahnung. Nein, auch keine Ahnung. Also damit beenden wir diese Folge.
Susanne: Uns geht's gut, würde ich mal sagen. Wir freuen uns immer noch nach wie vor hier in Kanada zu sein.
Dirk: Ist toll hier. Und wir freuen uns auch immer noch über Besuche.
Susanne: Ja.
Dirk: Also dann.
Susanne: Bis dann.
Dirk: Bis dann!
[Atmo]

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