Heute mal eine Folge aus dem “Außenstudio”. Wir saßen im Algonquinpark und ließen uns während der Aufnahme die Sonne auf den Bauch scheinen während wir über kanadische Eigenarten und ein paar unserer Erlebnisse berichteten…
Transkript
Automatisch transkribiert (Whisper large-v3), ungeprüft.
Susanne: Hallo, Dirk.
Dirk: Hallo, Susanne. Aus dem Außenstudio.
Susanne: Wie sind das Better so erzählbar?
Dirk: Es ist sonnig. Wir haben greifende Eichhörnchen hinter uns im Baum.
Susanne: Und eine kanadische Flagge direkt vor uns.
Dirk: Jawohl. Und um uns rum zwitschern die Vögel, rieseln die Laubblätter.
Susanne: Ja, und die Piniennadeln.
Dirk: Wirklich schön hier. und wir sind so ein bisschen angemüdet, weil wir viereinhalb Stunden Kajak fahren hinter uns haben. Kanadischer wird es nicht mehr.
Susanne: Nee, kanadischer wird es nicht mehr. Wir sind hier so mitten in der Pampa rumgepaddelt. Wir sind in Algonquin Park, der ist nördlich von Toronto.
Dirk: Da waren wir vor ungefähr einem Jahr schon mal.
Susanne: Eigentlich so fast genau vor einem Jahr. Diesmal sind wir eine Woche später dran und die Bäume sind noch bunter. Ich habe ungelogen gestern einen pinken Baum gesehen. und Pink. Was die Farbpalette hier angeht, ist das der absolute Wahnsinn.
Dirk: Und haben uns diesmal, also die Susanne muss man sagen, hat uns letztes Jahr für diesmal hier in einer von den wenigen Anlagen eingebucht. Also ich glaube, es gibt nur zwei, wenn ich mich recht erinnere.
Susanne: Der Rest sind alles Campingplätze.
Dirk: Die mitten im Algonquin Park sind.
Susanne: Jedenfalls ist es direkt an einem der vielen Seen. Also der Park besteht aus Bäumen und Seen.
Dirk: Ja, und überall da, wo kein See ist, war mal ein See, weil ein Biber das mal aufgestaut hat und irgendwann, als es dann langweilig wurde, weitergezogen ist. Das heißt, es gibt normale Seen, dann gibt es von Bibern aufgestaute Seen und es gibt ehemalige Biberseen, die jetzt irgendwelche Meadows sind. Das sind wir gestern durchgewandert auf so Holzplankenwegen, alles sehr, sehr dekorativ.
Susanne: Ja, wir haben endlich mal den Trail gemacht, den ich letztes Jahr eigentlich machen wollte, aber da war es zu matschig für den. Und so hatten wir nur eine Abenteuerstelle, wo der Dirk hellenmutig einen Baumstab in den Weg warf, wie ein richtiger Kanadier halt, damit wir eine große Lache tiefen Wassers überqueren können.
Dirk: So nämlich.
Susanne: Ja, so gehört sich das. Ja, sag doch mal, was sind die Themen? Ich habe es schon wieder vergessen.
Dirk: Also es ist ja schon eine Weile her. Seit dem letzten Mal sind eigentlich eine Menge Dinge passiert. Und dann auch irgendwie ist es wie jedes Mal. Das heißt, wir sind in Kanada unterwegs gewesen. Und zwar waren wir in British Columbia und haben uns dort ein so richtig schön kanadisches, wildes Leben angeguckt. In einem Great Bear Rainforest.
Susanne: Ja, das ist nördlich von Vancouver. Also wenn ich sage nördlich von Vancouver, ist es nicht so dasselbe wie wenn ich sage nördlich von Frankfurt, sondern es ist wirklich nördlich, nördlich.
Dirk: Zwei Stunden fliegen nördlich von Vancouver.
Susanne: Ja, schon fast an der Alaska-Grenze. Und ja, und dann sind wir dann auf so ein Bötchen drauf gestiegen, wo es irgendwie zwölf Gäste gab und sechs Crewmitglieder. Und dann sind wir da durch den Great Bear Rainforest getuckert. Das war so ein Oldtimer-Boot, so wie in Kuba die Autos rumfahren. Außen sieht es alt aus, aber neuer Motor.
Dirk: Ja, es war eine wirklich tolle Woche und viel Natur und viel Regen. Also Great Bear Rainforest ist so groß wie Irland. Die Crew hat uns versichert, wir haben eigentlich gutes Wetter erwischt gehabt. Hat durchgehend geregnet, wir haben die Sonne nicht einmal gesehen.
Susanne: Nicht einmal, aber es war trotzdem schön.
Dirk: Also es ist groß, es ist ein Regenwald und Bären gab es auch.
Susanne: Wir haben alle Tiere gesehen, also wir haben Bären gesehen, Schwarzbären und Braunbären, also Grizzlies und wir haben Humpback Whales gesehen, also Buckelwale, die sind neben dem Boot aus dem Wasser gesprungen, sowas habe ich noch nicht gesehen. Also die sind ja riesig, wie die sich überhaupt rauskatapultieren können, ist mir echt ein Rätsel. Ja und wir haben Seewölfe gesehen und die heißen deswegen so, weil die auf einer Insel leben, auf der gibt es kein Großwild. Und deswegen, wenn da Ebbe ist, weil es ja alles am Pazifik, dann laufen die so die Strände ab und gucken, was sie da so fressen können. und es ist meistens dann irgendwelches Meeresfrüchte.
Dirk: Meeresfrüchte, ja genau. So ein Buffet.
Susanne: Ein Buffet.
Dirk: Ja, es ist überhaupt da. Alles sehr, sehr reichhaltig. Also auch die Bären sind etwas größer dort. Wir haben auch Robben, oder? Doch. Seehunde. Wir haben jedenfalls irgendwie so Viehzeuge im Wasser gesehen. War sehr süß. Haben wir gesehen vom Kajak aus.
Susanne: Wir sind dort nämlich auch Kajaken gewesen. So hat es eigentlich alles angefangen. Seitdem sind wir jetzt schon mehrmals kajacken gewesen.
Dirk: Ja, das war das erste Mal, Dirk, Urlaub auf dem Boot. Also eine ganze Woche.
Susanne: Also ich muss schon sagen, Gratulation, dass du das mitgemacht hast. Und du warst auch nicht einmal grün.
Dirk: Nö, es war super. Es war einwandfrei. Es ging richtig gut. Und dann haben wir auch gekajagt und jetzt sind wir vollständig im Kajakfieber. oder zu der Anlage, in der wir uns aufhalten, gehört eben auch so ein Bootsteg mit Kanus und Kajak, den man einfach nehmen kann. Da muss man niemandem Bescheid sagen und nichts. Man geht einfach hin, wirft sich in so ein Boot und ist dann unterwegs hier. Man kann den ganzen Park hier mehrtägig erwandern mit so einem Ding. Also kann man sozusagen von Campsite zu Campsite fahren.
Susanne: Ja, man könnte das machen. Und dann muss man halt so bestimmte Strecken muss man sein Boot dann auch tragen.
Dirk: Ja, das muss total toll sein, wenn du dein Zelt und dein ganzes Essen und Gerödel dabei hast.
Susanne: Ja, deswegen haben wir hier ja auch Kanus, weißt du, dann kannst du nämlich zu zweit, das ist wie eine große Einkaufstasche, einer links, einer rechts.
Dirk: Eine Art Ikea-Tasche. Man könnte wahrscheinlich auch in einer Ikea-Tasche hier rumpaddeln.
Susanne: Wahrscheinlich. Ja, also ich meine, jetzt sind wir ja fast zwei Jahre hier. Schön. Ist einfach nur schön. Ja, wir haben auch Vancouver unsicher gemacht. Wir sind zum ersten Mal in einem, wie sagt man da, Seeflugzeug geflogen. Wasserflugzeug. Wasserflugzeug, danke. Und ich war echt überrascht, wie sanft die landen.
Dirk: Ja, das war wirklich sehr cool. Jetzt fehlt uns irgendwie nur noch ein U-Boot. Dann haben wir mal irgendwie alle Verkehrsmittel ausprobiert. Und ein Hovercraft. Ab nächstem Jahr soll es ja ein Hovercraft geben, in dem man dann von Toronto zu den Niagara-Fällen fahren kann.
Susanne: Also derjenige, der uns besuchen kommt, wenn das Hovercraft gerade eröffnet wurde, den laden wir auf eine Hovercraft-Tour nach Niagara ein. Genau. Dafür gehe ich auch nochmal zu den Niagara-Fällen.
Dirk: Diesmal war es aber sehr cool. Wir hatten ja Besuch aus Deutschland.
Susanne: Unser mittlerer Sohn war 14 Tage da und mein Cousin und seine Frau waren dann auch noch eine Woche da. Also alle zusammen. Und da gibt es so eine Tour, die hinter die Fälle geht. und dann fährst du irgendwie so mit dem Aufzug runter und dann gehst du also unten an die Niagara-Fälle ran. Da siehst du, wie das Wasser oben über die Kante schießt und dann gibt es so ein Tunnelsystem, in das du reinläufst, das im Grunde hinter die Fälle führt. Das Geräusch und das Vibriert und also...
Dirk: Das war schon sehr beeindruckend, ja.
Susanne: Jedenfalls war das diesmal mal wieder eine ganz andere Art von Besuch, weil der Frank, also mein Cousin, ist Architekt. Und im Zuge dessen hatten wir uns mal schlau gemacht, was es denn so alles für interessante Gebäude so in Toronto gibt. Stellt sich raus.
Dirk: Eine Menge.
Susanne: Eine Menge. Da sind wir immer so völlig...
Dirk: Dass manche dieser Gebäude cool aussehen, das war uns schon vorher klar.
Susanne: Ja, ja, klar. Oh, schönes Gebäude, aber wer hat es gebaut, ist mir doch egal.
Dirk: Mies van der Rohe werde ich wahrscheinlich auf ewig im Kopf behalten. Der andere, der irgendwie in Spanien war, habe ich schon wieder vergessen.
Susanne: Es gibt einige sehr ikonische
Dirk: Gebäude in Toronto und das hat dann auch nochmal Spaß gemacht, sozusagen durch die Brille hindurch sich Toronto zu erwandern.
Susanne: Ich finde auch jedes Mal, wenn wir Graffiti Alley uns anschauen, dann sieht die eh wieder anders aus.
Dirk: Genau, ist ja immer anders besprüht. Ja, was aber auch immer Immer interessant ist es, immer wenn wir Besuch da haben, sehen wir durch deren Augen nochmal die Dinge, die uns inzwischen schon vollkommen selbstverständlich geworden sind.
Susanne: Ja, eines der ersten Dinge, die die zwei gesagt haben, war, im Flughafen ist es so ruhig.
Dirk: Dasselbe haben sie in Union Station gesagt.
Susanne: Ja, und Union Station ist ja der größte Bahnhof Kanadas.
Dirk: Ja.
Susanne: Ja, und auch die verschiedenen Kulturen, die da im Grunde durchwandern, das fällt uns ja auch nicht mehr auf, das ist ja eigentlich Teil des Straßenbilds.
Dirk: Ja, es ist einem ehrlich total normal, dass du an ein paar Metern irgendwen mit einem Turban oder sonst irgendwas siehst. Die Leute sind sehr durchmischt und in Deutschland wäre das halt dann wahrscheinlich ein Tourist. Und hier ist es unter Umständen der Polizist, der den Verkehr regelt oder der Mensch, der dir im Laden irgendwie den Kaffee reicht oder der Business High nur im Anzug mit einem bunten Turban obendrauf, der gerade auf dem Weg ins Büro ist.
Susanne: haben wir auch so einige im Büro ja, aber stimmt, das fällt mir zum Beispiel gar nicht mehr auf, ich finde es einfach nur
Dirk: schön. Ich habe nochmal einen Kajak fahren zwischendurch ausgelassen, gell
Susanne: ja, ich meine die einzige Möglichkeit, Leute über den Jetlag hinweg zu hieven ist sie an die frische Luft zu zerren und Kilometer hinter uns zu legen, mal zwischendurch natürlich Kaffee trinken und so weiter, aber ja, frische Luft und Sonne hilft halt und so haben wir an Labor Day sind wir dann Kajak fahren gegangen im Doppelkajak und sind von Toronto Harbour eben rüber gefahren nach Toronto Island. Und weil wir da so um halb zwölf irgendwie dann das überquert haben, war es halt nicht mehr so ganz so ruhig. Da sind ja dann Wassertaxis unterwegs und die Fähren und dann Segelboote und also war schon Halligalli. Da war Halligalli, da war auch echt Wellen so. Aber dann in Toronto Island angekommen, da gibt es dann ganz viele kleine Kanälchen, weil Toronto Island besteht eigentlich auch aus einem Sammelsurium an Inselchen, die halt dann durch Brücken miteinander verbunden sind. Und dann kannst du da halt super bequem durchkajaken.
Dirk: Ja, das war wirklich gemütlich. Der Kajakführer, der da mit uns unterwegs war, der macht das schon seit 30 Jahren, hat er gesagt.
Susanne: Ja, muss furchtbar sein. Ja. Könnte ein Kajakführer hier in Algonquin Park sein.
Dirk: Wenn du das machen willst.
Susanne: Ich weiß nicht.
Dirk: Jeden Tag irgendwelche Touris hier rumpaddeln.
Susanne: Insofern war es schön. Also wir hatten auch wieder Bombenwetter.
Dirk: Also bei uns in Toronto ist es ja noch nicht ganz Herbst. Das sind so ein paar einzelne Bäume, die jetzt sagen, vielleicht mal so ein bisschen gelb werden. Ja. und man fährt halt mit dem Auto dreieinhalb, vier Stunden hier rauf zum Algonquin Park und hier ist halt Farbenmeer. Und es kommt vom Norden her dann so nach und nach runter, die ganze Küste runter.
Susanne: Neben dem Kirschblüten-Tracker gibt es natürlich auch einen Herbstblätter-Tracker, natürlich. Es gibt auch einen Tracker für die ganzen Monarch-Schmetterlinge jetzt.
Dirk: Admirals-Schmetterlinge oder wie heißen die?
Susanne: und Monarchs.
Dirk: Das sind so relativ große Schmetterlinge.
Susanne: Ja, so orange mit schwarz. Und die, die wandern ja auch über den ganzen Kontinent bis runter nach Südamerika. Und auch da gibt es einen Tracker, weil die verbringen nämlich den Sommer hier oben in Kanada. Und von hier aus flattern die dann über ganz USA runter.
Dirk: Und so mehr oder weniger gleichzeitig, gell? Ja, und die sammeln sich. Also in großen Schwärmen unterwegs.
Susanne: Und was jetzt auch noch ist, Salmon Run hat angefangen und jetzt ist mir gerade ein Viech in den Ausschnitt gekrabbelt. Moment, wo bist du? Da ist es. Komm, verschwind. Also Salmon Run, wie heißt es?
Dirk: Keine Ahnung, also Lachswanderung? Wenn da halt die zum Laichen unterwegs sind.
Susanne: Da hoch in diese ganzen Flüsse reinschwimmen. Das ist jetzt auch.
Dirk: Da haben wir ja auf unserem Regenwaldtrip gelernt, dass je nachdem, welche Art von Lachs es ist, schwimmen die weiter oder weniger weit rein, weil manche von denen brauchen wirklich Süßwasser, manche von denen können auch mit Salzwasser umgehen.
Susanne: Ja, je nachdem, wo die halt geboren sind.
Dirk: Genau.
Susanne: Ja. Gott, hier draußen unter blauem Himmel mit Vogelgezwitscher zu sitzen, das ist schon irgendwie cool. Und es riecht nach Pinien, Leute, es riecht so gut.
Dirk: Ja, dann haben wir unsere Nachbarn kennengelernt, unsere Nachbarn über uns.
Susanne: Ja, das war ja erstmal so ein bisschen ein Drama. Und zwar Dirk und ich, wir liegen also im Bett. Wir hatten einen wunderschönen Abend mit Freunden. Wachen, also ich wach dann so um, wann war das, um halb drei wach ich auf, weil es über uns rumpelt und ich dachte so, was geht ab? Aber ich meine, es kann ja mal passieren, dass jemandem was runterfällt oder so. Und dann habe ich mir gedacht, ach, schlafe ich jetzt auch gleich wieder ein. Aber dann ging das weiter und weiter und dann irgendwann hat es total gerumst und Dirk und ich, wir saßen im Bett. Also wirklich. Und dann haben wir uns gedacht, jetzt reicht es. Ja, also ich meine, es muss ja jetzt nicht sein. Es war, glaube ich, ein Samstag oder so. Der Dirk ist dann aufgesprungen und Richtung Haustür gelaufen und hat dann irgendwie auf der Hälfte des Weges festgestellt, oh, ich habe ja nichts an.
Dirk: Das wäre bestimmt ein interessanter Moment gewesen, wenn ich in der Unterhose oben gestanden wäre.
Susanne: Ja, ich war auf dem Weg und wollte mir noch irgendwas drüberziehen, ich keine Ahnung, jedenfalls kam er zurück, um sich wieder anzuziehen, um sich anzuziehen, ich wollte Richtung Haus, schön sind wir erstmal nachts um viertel nach drei ineinander gerammt.
Dirk: Das ist so ein richtiger Slapstick-Moment.
Susanne: Ja, war's. Dann hatten wir uns endlich aussortiert, dann sind wir also da hochgeschlappt und haben dann an die Tür geklopft und dann machte irgendwie so ein, ja wir wissen ja inzwischen, es war Brandon, der dann die Tür aufmacht und wir so, what the fuck? Und ja, Brandon war nicht so ganz zurechnungsfähig, also das ist mir schon da nachts aufgefallen, der war genauso wenig, ich glaube, die hatten ganz schön getankt an dem Tag.
Dirk: Ja, so hörte sich das ja auch an.
Susanne: Da haben wir gesagt, ob sie denn jetzt mal bitte schlafen unten drunter oder wollen zumindest. Und dann sind wir wieder abgezogen und dann wurde das auch ruhiger und wir sind dann eingeschlafen wieder. Und am nächsten Morgen sind wir so irgendwie halb fertig aus dem Bett gekrabbelt. Nach einem Gefrühstück haben wir uns gedacht, wir wollten ja eigentlich die schon länger kennenlernen da oben, weil wir hören die ja immer Möbel rücken. Ja, ihr könnt jetzt genau sagen, typisch Deutsche, so ist mir egal. Wir hatten schon Filzkleider gekauft und wollten die eh mal so ganz nett hochbringen, weil man halt die Möbel immer hört.
Dirk: Ja, so Leute, die beim Aufstehen den Stuhl nach hinten schieben und das dann macht, wenn man drunter ist. Ja, das war schon ein paar Wochen lang so ein Ding. Und dann haben wir halt gesagt, wir laden die jetzt mal ein, dann lernen wir die mal kennen. Dann lächeln wir, weil wir sie mögen, wenn das passiert.
Susanne: Genau, irgendwie so.
Dirk: Also war die erste Begegnung dann doch eher ruppig. Dann sind wir halt am nächsten Tag mit Filzgleitern eben bewaffnet und Akklammer. Also wie wir jetzt wissen, praktisch ein Mordanschlag auf Brandon.
Susanne: Ja, der ist allergisch gegen alles.
Dirk: Sind wir da raufgeschlappt und haben gesagt so, hi.
Susanne: Wir sind's.
Dirk: Die, die für heute Nacht bei euch vor der Tür gestanden sind.
Susanne: Eure Nachbarn. Und dann haben wir, wie nannte das Brandon, das typische kanadische Sorry. Er hat gesagt, eine kanadische Sorry Battle. Ja. Sorry, sorry, sorry. Stellt sich jedenfalls raus, die haben an dem Tag geheiratet. Jedenfalls haben die uns dann zum Grillen eingeladen, weil bei uns in unserer Wohnanlage da, kann man oben im 27. Stock auf Weber grillen, mit Blick grillen. Nun, dann haben wir sie zum Essen eingeladen und dann waren sie bei uns beim Essen. Also, ja, läuft.
Dirk: Im Zuge dessen haben wir ja auch mal drüber nachgedacht, wie unterschiedlich das eigentlich ist, sich gegenseitig einzuladen, weil wir es ja vorhin davon hatten, dass in Kanada irgendwie ruhiger ist. Dann saßen wir ja irgendwann da und haben darüber nachgedacht, was für andere Unterschiede uns denn eigentlich auffallen. Ein Unterschied, den es zwischen Kanadiern und Deutschen gibt, ist die Bedeutung des eigenen Heims. Wenn man als Deutscher jemanden zu sich nach Hause einlädt, ist das nicht nur eine total ernst gemeinte Einladung, sondern es ist außerdem auch noch praktisch, jemanden ins Inner-Sanctum holen. Es ist mehr oder weniger schon Vertrauensbeweis, dass man die Leute überhaupt über die Schwelle lässt. Ein Kanadier ist da deutlich weniger verbindlich. Also in Kanada sind Einladungen viel schneller und einfacher ausgesprochen und dann ist es auch irgendwie nicht so besonders in der Bude zu sein. Wir haben dann praktisch jetzt so einen ganz allgemeinen Ablauf gehabt. Erstmal oben an die Tür dotzen, dann draußen oben barbecuen, danach die zu uns einladen und wir reden ja jetzt schon wieder darüber, wann wir vielleicht das nächste Mal irgendwie was miteinander unternehmen.
Susanne: Was ja auch der große Unterschied von der Kultur her ist, ist, hier hältst du überall ein Schwätzle. Selbst mitten in Toronto, du stehst irgendwo an, um dir einen Kaffee zu kaufen oder so, fängst an zu labern. Ist mir jetzt so in Deutschland noch nicht so passiert.
Dirk: In Deutschland schauen sich die Leute komisch an, wenn du mit ihnen reden willst.
Susanne: Ah, hier warnt das Eichhörnchen wieder. Heute ist Sonntag. Am Dienstag ist National Day for Truth and Reconciliation. Und was dort bedacht wird, ist, wie Indigenous Kinder den Eltern weggenommen wurden, um in sogenannte Residential Schools gesteckt zu werden. Und ich weiß nicht, wann das angefangen hat. Also den Feiertag gibt es seit 2023. Und Justin Trudeau hat angefangen mit dieser ganzen Aufarbeitung von dieser dunklen Geschichte.
Dirk: Du hast irgendwie gesagt, die letzte gab es noch in den 90ern, gell? Die letzte Residential School.
Susanne: Ja, Ende der 90er. Also im Prinzip Zwangsheime. Zwangsheime, ja. Wo also den Indigenous-Kindern die Kultur ausgetrieben wurde und auch die Sprache. Ich meine, Ähnliches gibt es ja in Australien oder gab es in Australien. Und ich nehme an, das, was die im Moment mit ukrainischen Kindern machen, ist ähnlich. So nach und nach wird es aufgearbeitet und wir haben uns jetzt eine Serie angeguckt, die heißt Three Pines, die unter anderem auch dieses Thema aufgreift.
Dirk: Ja, Three Pines basiert auf einer Romanreihe von einer kanadischen Krimi-Autorin, Louise Penny. Und zwar hat die Krimi-Romane um einen Inspektor namens Gamache geschrieben, der in Montreal ist und dort eben Morde aufklärt. und die meisten dieser Romane spielen in einem Dorf namens Three Pines. Da will man unbedingt hinziehen, glaube ich. Aber tatsächlich, diese Romane drehen sich halt um diese Figuren, die dort in diesem Dorf wohnen und um diesen Inspektor Gamasch und sein Team. Und ein paar dieser Fälle sind eben Gegenstand von dieser Serie. Also die hat irgendwie so zehn Teile, gibt auch nur eine Staffel davon. und das hat so, also es ist nicht unbedingt Sherlock Holmes, der ist ein sehr gefühlvoller Mensch und wenn man sich diese Serie anguckt, hat es was sehr kanadisches, allein schon dadurch, dass die ständig zwischen Englisch und Französisch hin und her wechseln.
Susanne: Oder Cree.
Dirk: Oder Cree zwischendurch.
Susanne: Oder Mohawk.
Dirk: Und die haben halt eben auch das Thema der Residential Schools als eine der durchgehenden Themenfelder mit in dieser Serie, mit eingearbeitet. Also da gibt es sozusagen so einen überspannenden Handlungsbogen, der sich damit befasst. Und da wurde uns das zum ersten Mal so richtig bewusst, dass das eigentlich auch gar nicht so lange her ist.
Susanne: Die Periode geht so von den 70ern bis in die 90er rein. Über 20 Jahre. Wir sind ja hierher gezogen und dachten, die Geschichte von Kanada ist so ähnlich wie die von den USA. Also irgendwann mal kamen dann die Siedler und so. Nee, die ist komplett anders, haben wir dann feststellen müssen. Wir gehen auch
Dirk: wirklich komplett anders damit um. Also es ist schon mal, das haben wir vielleicht auch schon mal in irgendeiner anderen Folge erwähnt, wenn man hier zum Beispiel in ein Konzert geht oder irgendeine Veranstaltung sich anguckt oder auch oft irgendwelche Programmhefte oder so in die Finger bekommt, dann ist da ein sogenanntes Land Acknowledgement drin. Das heißt, da steht im Grunde so ein Absatz, der sich damit befasst, auf wessen Grund und Boden jetzt zum Beispiel die Konzerthalle ist und wo die jetzt gerade auftreten. und welche Völker dort eigentlich ein Claim haben. Und es ist in Kanada ganz üblich, dass man an einem und demselben Ort zwei oder drei verschiedene Besitztitel hat, die alle gleichzeitig berechtigt sind. Also man kann sozusagen ein Haus haben, das steht auf dem Grund und Boden der Cree oder so. Und das wird dann auch im Prinzip durch verschiedene Arten von Abkommen gehandhabt, wie das zusammenhängt. Und das ist definitiv anders in den USA. In den USA gehört den Einheimischen außerhalb der Reservate praktisch nichts.
Susanne: Ja, auch die Anfänge waren anders. Es ist nicht so, dass da wie beim Oregon Trail irgendwelche Siedler in irgendwelchen Planwagen durch die Gegend gefahren sind, sondern die Anfänge Kanadas beschränken sich ja auf ein Business-Unternehmen sozusagen.
Dirk: Die Franzosen und die Briten haben sich so ein bisschen den Stock hier in die Hand gegeben. Also die allerersten, die hier so rumgelaufen sind, waren ja mal Wikinger. Ja, dann gefolgt von irgendwelchen französischen Abenteurern, die aber nicht so richtig hier Fuß gefasst haben. Die haben einfach nur angefangen zu handeln und es war ganz lukrativ. Und als die aber von ihrer eigenen Regierung nicht so ernst genommen wurden, haben sie dem britischen Königshaus ein Angebot gemacht. Die Franzosen. Die Franzosen, ja.
Susanne: Also die zwei Franzosen.
Dirk: Die zwei Franzosen, die da hier irgendwie in den Fellhandel groß aufziehen wollten. Und dann hat sich
Susanne: der britische König gedacht, ach, klingt eigentlich ganz okay und hat denen eine Expedition. irgendwie finanziert.
Dirk: Genau, dann wurde hier eine Firma gegründet, die Hudson Bay Company, den zum Höhepunkt praktisch zwei Drittel der Fläche von dem, was heute Kanada gehört hat, als Privatbesitz. Das ging noch runter, also es ging bis ein Teil von New York runter, New Jersey, aber es ging auch hier, also wirklich ein Riesenareal und diese Urkunde, diese Geschenkurkunde des britischen Königs, die wird jetzt dann auch versteigert, weil weil die Hudson Bay Company ist ja pleite gegangen dieses Jahr und in deren Besitz ist unter anderem diese Gründungsurkunde Kanadas und das hieß damals Rupert's Land. Die haben damals dann halt so Force aufgebaut und haben mit den einheimischen Handel getrieben und die einheimischen Völker hier haben das großartig gefunden, weil auf die Art und Weise kamst du halt an viele Materialien, die du hier in Nordamerika nicht bekommen hast, da hast du damit einen Vorteil gehabt. Das war alles von Metalltöpfen über irgendwelche Decken, über alles mögliche. Irgendwann natürlich auch Schusswaffen und solche Dinge. Und im Gegenzug haben die halt den europäischen Siedlern dann Biberfälle und irgendwelche Otterfälle und ganz viele Fälle halt verkauft.
Susanne: Ja, und die haben das auch ganz praktisch gemacht, weil diese Hudson Bay Company, also diese Fours, die waren auch strategisch verteilt irgendwo an der Küste und dann sind also die Einheimischen hier, die Indigenous, die First Nations, sind dann halt mit ihren Ghanous über hunderte von Kilometern zum Teil gepaddelt und gelaufen, um denen dann diese Fälle zu bringen.
Dirk: Und das lief ziemlich lang ganz gut so. Also die Hudson Bay, ihr Hauptvor war eigentlich oben in der Hudson Bay, das war ja auch der Name. Und dann sind die Einheimischen bis dorthin gepaddelt, den St. Lawrence River rauf und wieder zurück. So ging es hin und her und damit waren wir eigentlich ganz happy. Und dann, wie gesagt, die haben sich das Stöckchen hin und her gegeben. Dann kamen die Franzosen wieder, haben sich gedacht, naja, wenn wir unser Vor weiter unten an Fluss aufmachen, dann kommen die mit ihren Fällen bis zu uns und paddeln nicht den ganzen Weg rauf. Aber ein Vorteil.
Susanne: Und dann gab es Stress. Ja, jedenfalls von der Geschichte her ist es eher so ein Miteinander hier in Kanada gewesen als ein Gegeneinander, wie das jetzt beim südlichen Nachbarn war.
Dirk: Ja, man hat auch nicht so das Gefühl, also natürlich ringen die alle immer miteinander, aber eigentlich geht es nicht darum, wer sich denn nun durchsetzt. Das kommt eben in dieser Serie auch wirklich, wirklich gut raus. Also diese Mischung an Leuten und Sprachen und eben dann auch, aber auch diese schmerzhafte Vergangenheit der Residential Schools.
Susanne: Ja und deswegen fanden wir das auch so schön, wenn du so amerikanisch auch Reality-TV guckst, wie The Amazing Race oder so. Für uns war das am Anfang immer so komisch, ob das jetzt gestellt ist oder so, wenn jemand an Stationen dann plötzlich da ein Chief steht und dich in dem Land begrüßt, in seinem Teil des Landes. Ja, und wir dachten halt immer, das haben die bestimmt einfach nur fürs Fernsehen gemacht oder so. Aber nee, das ist hier tatsächlich so. Das gehört einfach dazu. Das ist einfach normal, dass zwei Realitäten gleichzeitig existieren.
Dirk: Also da geht es dann nicht darum, welche von diesen zwei Realitäten ist jetzt die richtige und muss gewinnen, sondern du kannst damit leben, dass es eine französische und eine britische Perspektive mit einem Indigenous Background im selben Fleckland gibt. und das zieht sich durch den gesamten kanadischen Alltag irgendwie durch, dass die total entspannt damit sind, dass es alles ein bisschen messier ist.
Susanne: Das hat man ja auch gesehen, als der britische König hier war, der wurde ja auch dann von den First Nations begrüßt, von verschiedenen Chieftains.
Dirk: Ja, da muss man sich vorstellen, da steht dann jemand eben mit vollständigem Adlerfederschmuck da. Als Europäer kennst du dieses Outfit nur aus Westernfilmen oder irgendwelchen albernen Faschings oder sonstigen Shows. aber dort ist es halt wie ein Bürgermeister oder der Regierungschef eines unabhängigen Volkes und natürlich trifft er dann auch den König und die schütteln Hand und alles.
Susanne: Das ist cool, ja. Ich müsste mal in Schatten. Stresst jetzt wieder das Eichhörnchen. Stimmt. Okay, vielleicht können wir ja hier ein bisschen zueinander gewandt, so. Ich halte fest. Guck mal, unter die Blätter. Raschel, raschel, raschel. Schon schön hier. Ja, besser. So warm. Bestimmt 24 Grad.
Dirk: Auch ganz lustig ist hier in dieser Anlage, wo wir es gerade so von so bunter Umgebung haben, da fiel uns dann auf, dass der gesamte Staff ziemlich jung zu sein scheint und von überall her, stellt sich raus, die sind praktisch alle hier auf so einem 2-Jahre-Work-and-Travel-Studenten-Permit. Ja. Das heißt, die arbeiten hier halt ein paar Monate dann in diesem Park.
Susanne: Dann ziehen die weiter innerhalb von Kanada oder halt auch nicht.
Dirk: Und arbeiten irgendwo anders wieder und machen die halt zwei Jahre lang hier.
Susanne: Hier arbeitet sogar ein Corsair. Und ja, mit dem bin ich heute Morgen ins Gespräch gekommen, weil wie gesagt, hier, das ist völlig normal, Schwätzle. Ja, ist jedenfalls bunt. Ah, und der Dirk hat mir letztens so eine ganz süße Geschichte erzählt, weil der Dirk hat ein neues Tattoo. Und die Claire, seine Tätowiererin, die hat ihm erzählt, sie war letztens im Haipark, da wo wir immer zum Kirschblüten angucken fahren, großer Park in Toronto. Und da ist es so, dass die Schildkröten dort Eier legen. Und da kann man so eine Hotline anrufen, so eine freiwillige Hotline. Und dann kommen die und stellen da, wenn man so sieht, dass da eine Schildkröte irgendwie Eier legt, dann packen die so einen Korb drauf, damit man die Brutstelle dann schützt vor irgendwelchen Viechern, die dann die Eier essen wollen.
Dirk: Das sind nämlich auch nicht gerade nur irgendwelche Schildkröten, sondern das sind relativ große tatsächlich Snapping Turtles. Die heißen so, weil die einem unter anderem auch beißen, wenn man denen zu nahe kommt.
Susanne: Heißen die nicht Snapper?
Dirk: Die haben vorne so wie so Kautleisten. Wahrscheinlich können die einem den Finger abbeißen. Ich glaube das jetzt mal. Die sind auf jeden Fall gar nicht mal so klein. Sind relativ große Törtel. Aber wenn die erstmal geboren werden,
Susanne: dann sind die erstmal ganz schön so klein. Aber sie sind jedenfalls bedroht.
Dirk: Ja. Und die gesamte Katzen, Marder und sonst wie Population freut sich über Schildkröten-Eier. Und deswegen werden die halt da geschützt.
Susanne: Ja, und dann, wenn man dann so sieht, dass da irgendwelche Und wenn die kleinen Schildkrötchen dann rausschlüpfen, kann man diese Hotline wieder anrufen und dann kommt ein Mitglied der First Nation und singt dann für die kleine Schildkröte, die da geschlüpft ist, weil...
Dirk: Das Erste, was sie hören, soll die Sprache des Landes sein. Und dann sammeln die die ein und tragen die ans Wasser, damit die nicht unterwegs als zweites dann das Fauchen der Katze hören. Squirrels. Aber ja, das ist wirklich super süß, finde ich.
Susanne: Und ich meine, da gibt es ja tausende solcher Sachen hier. Ja, und wir entdecken die ja immer wieder.
Dirk: Ich kann auch empfehlen, Baby Snapping Turtles zu googeln. Sehr süß. Ja. Sehr, sehr süß.
Susanne: Ansonsten gibt es im High Park noch viele, viele dicke Eichhörnchen. Ah, übrigens, ich bin ja mit Frank und Claudi auch da bei
[Atmo]
Dirk: Ein Albino-Hörnchen?
Susanne: Ja, ein Albino-Hörnchen.
Dirk: Das ist ja süß.
Susanne: Ja, und ansonsten gibt es noch große Neuigkeiten von uns, ne?
Dirk: Ja.
Susanne: Nein, ich bin nicht schwanger.
Dirk: Ich bin schwanger. Ja, genau.
Susanne: Gottes Willen.
Dirk: Wir sind einen Schritt weiter auf unserer Reise hin zur unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung. Yay! Und zwar funktioniert es ja so, dass die meisten Leute kommen ja hier nach Kanada über ein Punktesystem, das sich ja Express Entry nennt. Und da kriegt man halt Punkte für welche Art von Ausbildung, ob man hier schon Verwandte hat, ob man schon einen Job hier hat, ob die Ausbildung aus Kanada ist oder nicht, ob man Französisch spricht oder nicht. Wie gut man denn Französisch oder Englisch spricht oder nicht. Gibt es halt für alles Punkte, unter anderem auch für Alter.
Susanne: Aber es gibt keine Punkte zum Beispiel dafür, aus welchem Land man kommt.
Dirk: Ja, also nur reine
Susanne: Skills und
Dirk: ob Kanada die Leute braucht.
Susanne: Genau.
Dirk: Also wenn man praktisch eine Krankenschwester ist, kann man mit mehr Punkten auf mehr Punkte hoffen, als wenn man sagt, ich bin Ahornsirup-Bauer.
Susanne: Keine Ahnung.
Dirk: Also die haben halt auf jeden Fall eine Liste von Berufen, die sie halt bevorzugen.
Susanne: Und die ändert sich auch immer, je nach Bedarf halt.
Dirk: Da sind auch einiges so an Handwerkern drin und ein paar wenige akademische Berufe, aber im Wesentlichen fehlen ihnen halt junge Leute, die anpacken, kann man so sagen. Das Problem da ist, wir sind zwar jung im Herzen. Aber vom Punktesystem her lohnt sich. Das heißt, dieses System ist für uns nicht wirklich geeignet. Und deswegen haben wir einen anderen Weg eingeschlagen. Und zwar versuchen wir, von der Provinz Ontario eine Einladung zu bekommen. Die haben auch ein Programm, wo die Leute nominieren können. Und da waren wir als Kandidaten jetzt seit November gelistet.
Susanne: Also seit wir da sind, ne?
Dirk: Ja, nee, seit wir ein Jahr voll haben.
Susanne: Ach so, ja, richtig.
Dirk: Wir mussten ein Jahr hier schon gearbeitet haben, dann konnten wir uns registrieren als Interessenten. und dann waren wir dort gelistet und jetzt im August kam dann eine Invitation to Apply, was im Grunde heißt so, wir haben eure Interesse zur Kenntnis genommen und wenn ihr jetzt nachweisen könnt, dass das, was ihr behauptet habt, auch der Wahrheit entspricht,
Susanne: also sprich die Punkte, die ihr habt, die ihr angegeben habt, auch tatsächlich der Wahrheit entsprechen,
Dirk: dann nominieren wir euch als Provinz und damit sind wir dann sozusagen jetzt offiziell im Rennen. Das kann immer noch ein Jahr oder es kann mehrere Monate jedenfalls dauern. Das ist immer noch ein Geduldsspiel alles. Aber die allermeisten kommen gar nicht mal dahin. Also bei den meisten scheitert das sozusagen, dass sie nie eine Invitation to Apply bekommen oder die Invitation to Apply braucht so lange, dass sie im Grunde schon wieder aus dem Land raus sind, wenn es so weit ist. Und wir sind tatsächlich jetzt ganz gut unterwegs. Das heißt, wenn es so weiter geht...
Susanne: Die nächsten Schritte ist dann, wir kriegen die Also die Provinz Ontario nominiert uns, dann geht es alles zum Staate Kanada und wenn die dann auch noch nicken, dann haben wir unsere Permanent Residency. Und dann müssten wir theoretisch noch drei weitere Jahre im Land bleiben und dann könnten wir für Citizenship uns anstellen.
Dirk: Wenn man dann schon so lange im Land ist und sich nichts zu schulden hat kommen lassen, dann fragen die einen nochmal irgendwie, also da gibt es so einen Wissenstest, das sind irgendwie 25 Multiple Choice Fragen und dann macht man nochmal einen Sprachtest, damit man nochmal nachweist, dass man in den letzten drei Jahren nicht aus Versehen die Sprache verlernt hat und weist nochmal seine Reisetätigkeit nach, weil man eine bestimmte Mindestanzahl von Tagen im Land gewesen sein muss in der Zeit. Aber im Grunde ist dann die Citizenship noch mal um einiges leichter, wenn man schon mal Permanent Resident ist und in Kanada geblieben ist.
Susanne: Ja, und was ändert das im Grunde? Also der Unterschied zwischen Permanent Residency und Citizenship ist zum Beispiel wählen.
Dirk: Der andere wirklich wichtige Unterschied, würde ich sagen, ist, wenn du Resident bist, diesen Status behältst du nur, solange du eine Mindestanzahl vom Jahr wirklich im Land bist. Das heißt, du musst deinen Lebensmittelpunkt in Kanada haben. Sobald du Citizen bist, dann darfst du auch wegziehen und könntest nach fünf Jahren wiederkommen und den lassen dich wieder ins Land. Also du hast dann ein lebenslang geltendes Recht, jederzeit in Kanada einzureisen und dort auch zu wohnen. Das ist mit der Residency nicht.
Susanne: Wir würden ja dann auch einen kanadischen Pass bekommen. Genau. Und seit letztem Jahr darf man ja auch zwei Pässe haben als Deutscher. Das war ja sehr eingeschränkt vorher.
Dirk: Ja, und wie immer ist das Spiel für uns halt Optionen. Also wir wollen halt oft die Option offen haben, uns so zu entscheiden, wie es uns in den Sinn kommt, ohne dass wir davon abhängig sind, ob wir beim selben Arbeitgeber bleiben zum Beispiel oder, keine Ahnung, der Irrsinn im Süden weitergeht.
Susanne: Der Irrsinn im Süden. Ach ja. Ich weiß nicht, wenn ich jetzt hier so mitten in der Natur sitze und die Bäume rascheln, der Piniengeruch in meiner Nase, dann denke ich eigentlich gar nicht an den Irrsinn im Süden.
Dirk: Hier gibt es auch kein Internet. Da wird einem auch nicht mitgeteilt, was so alles gerade abgeht. Man kann vermutlich super hier in Algonquin Park Wochen verbringen, ohne dass man irgendwas mitbekommt.
Susanne: Das stimmt, ja. Wir haben hier absolut gar kein Netz.
Dirk: Ja, auch da wieder Dirty Dancing Vibes, die hatten auch kein Internet damals.
Susanne: Super, das war, wann haben die das, also das spielt doch in den 50ern, oder?
Dirk: Ach, Details, da hatten die eben auch kein Internet. Es gibt ja auch kein Tanzlehrer, also irgendwie ist es hier so gar nicht Dirty Dancing. Ich weiß auch nicht, warum. Oh, ich war
Susanne: aber gestern hier im See baden. Es war kalt.
Dirk: Ich nicht. Du willst ja heute auch wieder dippen, hast du gesagt.
Susanne: Ja, mal schauen.
Dirk: Hauen. Auf dem See paddeln ist das Maximale, was ich heute hier an Wasserkontakt zulasse.
Susanne: Ihr hättet uns mal sehen sollen, wie wir hier so völlig elegant aus dem Kajak ausgestiegen sind. Wir
Dirk: sind angelandet wie die Profis, würde ich mal sagen.
Susanne: Wir üben noch mehrmals. Ja, aber jetzt fühlt sich erst mal mein
[Atmo]
Dirk: Präning Zweimal im Alganquim Park, beide Male bei der Wanderung begegnen wir einen deutschen Pärchen.
Susanne: Also muss doch was dran sein an diesem Stereotypen, oder?
Dirk: Ja, außerdem ist wahrscheinlich der Alganquim Park einfach so ein Standardstopp für Leute, die hier Urlaub und so eine Rundtour machen oder so. Letztes Mal war es ja auch so, dass irgendwie der Trip rauf nach Montreal oder von Montreal runter und Alganquim Park als Stopp zu nehmen, Scheint irgendwie so eine der empfohlenen Routen zu sein, wenn wir Leute hier Roadtrip machen.
Susanne: Ja, das ist schon irgendwie verrückt. Ich habe ja auch bei mir im Büro keine Deutschen, nichts.
Dirk: Ich habe auch im Büro noch keine Deutschen getroffen, null.
Susanne: Also nicht, dass ich jetzt irgendwie das suchen würde oder so. Was ja hier auch so witzig ist, ist, wenn man dann sagt, wenn sie einen dann fragen, ja, wo kommt ihr denn her und so, dann sagst du, ja, Deutschland. Ja, wir sind ja auch Deutsche, stellt sich raus. und dritte Generation von Deutschen, die irgendwann mal ausgewandert sind, im Jahre weiß der Geier. Weil klar, wenn jemand zu mir sagt, oh, wir sind auch Deutsche, dann wechsle ich natürlich auf Deutsch. Und dann gucke ich in leere Blicke und dann, ah.
Dirk: Nicht so deutsch.
Susanne: Nicht so deutsch, ah, okay. Ich habe ja Urlaub gebucht für nächstes Jahr im Yukon. Es wird unser erstes Territory sein, wo wir Fuß reinsetzen. und habe mich überwunden, weil hier geht ja alles nur mit, da muss man dann anrufen. Und ich habe irgendwie nicht herausgefunden, wie man das jetzt tatsächlich dann buchen kann. Und da habe ich gedacht, okay, dann rufe ich halt den Yukon an. Meine Güte, ja. Habe also, habe dann da angerufen und da war einer am Telefon, Tobi. Und er fängt so an, mit mir zu reden und so. Und dann sagt er, ja, also Susanne, das ist ja auch eine deutsche Schreibweise. Einerweise, da sage ich, ja, ich bin Deutscher. Dann wechselt er auf Deutsch, stellt sich raus, der kommt aus der Nähe von Stuttgart und ist vor zehn Jahren in den Yukon ausgewandert. Okay, und dann haben wir uns halt auf Deutsch weiter unterhalten. Das war jetzt auch eher unerwartet.
Dirk: Wir sind überall.
Susanne: Das ist ja okay, aber wie gesagt, also um dem Stereotyp nochmal zu folgen, ich wusste ja gar nicht, dass es diesen Stereotypen gibt, dass Deutsche so überall auf der Welt wandern gehen. Stimmt aber. Ich kann es inzwischen bestätigen. Ja, ansonsten würde ich sagen, wir haben uns hier schon eigentlich ganz gut so einkanadisiert. Erstens mal bin ich nicht mehr so müde wie im ersten halben Jahr.
Dirk: Ja, das sowieso nicht mehr. Das ist schon lange nicht mehr.
Susanne: Dann zweitens, vieles geht einfach auf Autopilot. Und die Unterschiede oder was jetzt so anders ist, stellen wir dann immer nur fest, wenn wir Besucher kriegen.
Dirk: Ja, viele Sachen fühlen sich inzwischen so ganz selbstverständlich an, wo uns dann irgendwie, wenn Besucher da sind, klar wird, stimmt, das fiel uns am Anfang auch immer auf.
Susanne: Ja, genau.
Dirk: Ja, wenn man zum Beispiel wie so ein Trottel versucht, die Tür zuzusperren. Das ist irgendwie inzwischen alles automatisch. In der Kategorie Kulturunterschiede übrigens fällt mir in dem Zusammenhang auch noch ein, die Variation an Technik hat ja auch was damit zu tun, dass irgendwie jeder Handwerker hier anders funktioniert. und wir hatten Handwerker in der Bude.
Susanne: Ach ja, weil wir hatten ja einen Wasserschaden, weil die drei Flure über uns oder drei Stadtwerke über uns, die hatten irgendwie einen Wasserschaden und der ist halt bis runter gelaufen und dann standen morgens um Viertel nach sechs irgendwelche Leute vor der Haustür und haben geklopft, weil wir haben ja auch keine Klingel.
Dirk: Ja, aber worauf ich eigentlich raus wollte, war dann nicht dieses Erlebnis mit den Handwerkern, sondern die Handwerker, die jetzt erst vor kurzem bei uns waren, weil wir einen Wasserfilter gewechselt bekommen haben und eine Tür repariert bekommen haben. Und dann habe ich mir angeguckt, wie die so arbeiten. Das sind so die Standardhandwerker, die, wir hatten einen verstopften Abfluss, das war so der Anlass eigentlich. Und ich habe das so in meinem Kopf verglichen mit dem Standard, den ich in Deutschland an Handwerker richte, weil die wurden mir als praktisch die Handwerker geschickt von unserem Vermieter. Die seien Klempner. Und gut, der Klempner-Teil, dass sie das Rohr freigeblasen haben und die Filter gewechselt haben. Aber schon, dass die Wasserfilter unter der Spüle mit Kabelbindern fixiert sind, statt irgendeine Halterung an die Wand zu schrauben, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig.
Susanne: Hält aber auch.
Dirk: Hält auch. Und die hatten den Auftrag, so ein paar andere Reparatur zu machen. war die Zarge von unserer Tür zum Gästezimmer komplett lose, abgerissen.
Susanne: Ja, und ich meine, warum sollte man die dann austauschen oder irgendwie, ne?
Dirk: Ja, und ich habe da zu Susanne gesagt, ich könnte jetzt natürlich hier freilich einfach nur eine Spax reindrehen und hoffen, die hält. Aber ich will ja hier nichts kaputt machen und uns Ärger einhandeln oder so. Da muss ein Profi machen. Ja, der Profi kam. Der Profi kam und er hat da drei Spax reingedreht. Die sind doch nicht mehr in einer Reihe oder so, ja? Ja, genau dasselbe, wie wir dann in der Küche stehen und gesagt haben und die Drehknöpfe von dieser Küche, die fallen inzwischen auch runter, weil die sind gerade so an die Schrauben herangedreht, dass sie ansetzen, aber die Schrauben sind gerade so ein bisschen zu kurz und dann sage ich zu dem, ob er nicht vielleicht die Rückseite so ein Stück weit angraten kann, damit die Schraube weiter reingeht, damit man besser anschraubt und dann sagt er, nee, dann nimmt er jetzt ein Stück Kleber. Super! Er hat sozusagen die Schraube fixiert mit einem Tropfen Kleber. Das sind Dinge, die würde ich jetzt von dem deutschen Handwerker nicht akzeptieren, aber hier in Kanada, mein Gott, der Türknauf ist jetzt dran, die Türzarge auch, mir doch egal.
Susanne: Ne, aber von dem Wasserschaden haben sie uns dann irgendwie eine ganze Wand aufgeklopft, was ja hier auch kein Problem ist, weil das sind ja irgendwie nur so Pappedecken und Wände.
Dirk: Ja, Raugips halt, oder wie heißt das, Riegipswand.
Susanne: Nur nicht mal. Das ist ja einfach nur so eine Spanplatte, die übergespachtelt ist. Mehr ist doch das gar nicht.
Dirk: Also Trockenbauplatten halt irgendwie. Ich finde es aber auch toll, wir können alles an die Wände hängen. Das ist vollkommen egal.
Susanne: Du darfst nur nicht... Du darfst kein Gewicht haben. Ja, darf kein Gewicht haben. Und du darfst nicht zu stark irgendwie dann an die Wand drankommen, weil nämlich dann hängen plötzlich alle Bilder schief.
Dirk: Ja, Bilder hängen nie gerade bei uns.
Susanne: Nee, wir haben inzwischen auch aufgegeben.
Dirk: Du lehnst dich einmal in der Küche an die Wand und in deinem Arbeitszimmer ist alles schief.
Susanne: Ja. Ach ja, ich kann damit leben, das ist gar kein Problem.
Dirk: Ja, ich weiß ja noch, wie wir ganz am Anfang uns Kabel haben legen lassen und dann haben die durch die ganze Bude auf die weißen Wände ein schwarzes Kabel draufgenagelt. Also die Idee kam denen gar nicht, mal zu fragen, ob es vielleicht ein weißes Kabel sein soll. Immerhin auch mit schwarzen Kabelhaltern.
Susanne: Dann kann man das sehen.
Dirk: Dann weiß man wenigstens, wo das Kabel ist. Dann kann man das nicht aussehen, beschädigen oder so. Ach, ich wäre da gar nicht so. Ja, die sehen das alles etwas entspannter. Und ich habe auch festgestellt, eigentlich von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, kann man praktisch jeden Beruf hier ergreifen. Also nichts von wegen, du musst ein Meister sein, um Schreinerladen aufmachen zu dürfen oder sowas. Ich glaube, das erklärt es halt einfach auch. Also im Endeffekt musst du hier jemanden kennen, der dir einen Handwerker empfiehlt und sozusagen dafür birgt, dass der Handwerker was taugt. und dann sind auch die Handwerker, die bekannt dafür sind, dass sie gut sind, die sind halt dann auch schwer zu kriegen, weil die ständig ihre Auftragsbücher voll haben. Das ist sehr viel Empfehlungswirtschaft hier.
Susanne: Was gibt es denn sonst noch? Die nächsten Gefilde, die wir unsicher machen? Anfang Dezember schauen wir uns mal den Weihnachtsmarkt in Quebec City an. Der soll ja angeblich so toll sein. Ich bin gespannt.
Dirk: Quebec City ist die einzige Stadt in Nordamerika mit einer Stadtmauer. Die Fotos, die ich gesehen habe von Quebec City an Weihnachten, sehen aus wie Postkarten-Motive. Das muss man schon sagen. Also es ist schon sehr kitschig.
Susanne: Ja und ansonsten, die Konzertsaison hat jetzt wieder angefangen. Wir haben jetzt den Auftakt der Saison mit Camina Burana eingeläutet. Das war toll.
Dirk: Ja, ansonsten bestimmt hier so das Alltagsgespräch der Kanadier wahnsinnig viel, was halt in den USA abgeht. Es hat einfach sehr viel direkten Einfluss. Man sieht auch Carney, unseren Premier, sehr viel in der Gegend rumreisen. Überwiegend in Europa, würde ich mal sagen.
Susanne: Aber auch nach Mexiko.
Dirk: Genau, aber auch jetzt vor kurzem in Mexiko. Also der ist einfach sehr viel unterwegs gerade, was mir sagt, da sind viele Abmachungen, viele Gespräche, die da geführt werden.
Susanne: Das Nordamerikanische Abkommen ist jetzt nächstes Jahr zur Wiederverhandlung auf dem Tisch.
Dirk: Ja, das wird stressig werden, ganz bestimmt. Also es zeichnet sich ja bisher schon auch nicht ab, dass die USA irgendwie mit Kanada auch nur versuchen, auf eine Basis zu kommen. Also im Prinzip wird das jetzt ausgesessen gerade. Es ist halt natürlich hier ständige Quelle von Nervosität. Jetzt war es auch noch so, dass der Botschafter, der amerikanische Botschafter hier in einem Interview sich darüber beschwert hat, dass die Kanadier gar nicht versuchen, die Freundschaft mit den USA hochzuhalten. Es wäre ja schon alles sehr anti-amerikanisch. Elbows up und so. Ja, weil es ist nun
Susanne: mal die harte Wahrheit, dass die Kanadier sich gedacht haben, wie zählt jetzt irgendwas vom 51st State und all diesen ganzen Quatsch und Tarife und so weiter. Dann reisen wir vielleicht auch nicht mehr in die USA. Die Kanadier wollen auch kein Geld mehr ausgeben. Es gibt jetzt einige Bundesstaaten der USA, die schon Werbung machen dafür. Bitte kommt doch zurück, ihr lieben Kanadier, wir mögen euch. Ja, aber die haben einfach keinen Bock mehr. Und das merkt man jetzt nicht nur bei Urlauben, auch bei Einreisen in die USA. Das merkt man bei Lebensmitteln, Alkohol vor allem auch. Die Supermärkte haben umgestellt auf kanadische Produkte oder jedenfalls keine, die aus den USA kommen, außer es geht nicht anders. Das sind halt die direkten Konsequenzen.
Dirk: Ja, und das tatsächlich, vom Volumen her macht das anscheinend schon wirklich was aus. Ich dachte mir ja, als das losging, dachte ich mir, jetzt mal schauen, wie lange das jetzt sich hält. Und die meisten Leute sind dann auch irgendwie vergesslich, wenn es um so Protestkaufen geht.
Susanne: Aber immer dann,
Dirk: wenn die Kanadier geneigt wären zu sagen, naja, vielleicht doch nicht so schlimm, sagt ja da drüben immer irgendwie wieder jemand was. Ja, der legt ja immer nach.
Susanne: Die erinnern
Dirk: uns ja immer wieder mal dran, warum wir sauer waren.
Susanne: Und Trump hat ja am Anfang gesagt, ich werde jetzt euer Land nicht militärisch einnehmen, aber ich werde euch wirtschaftlich ruinieren. Und Kanadier vergessen da nicht.
Dirk: Zumindest nicht, solange Trump da drüben sagen hat, nehme ich mal an.
Susanne: Vor allem, wie du schon sagst, er gibt ja, ich meine, du könntest eigentlich Sachen schon wieder vergessen und dann blättert halt irgendein anderer Schwachsinn raus und dann, aha, ja, stimmt ja, ich kaufe doch lieber kanadisch. Ja, und ich meine, ich bin mir sicher, das geht nicht nur den Kanadiern so, das geht bestimmt den Europäern auch so. Die sagen, warum soll ich denn in die USA einreisen?
Dirk: Ja, ich empfehle, für die Europäer ist das natürlich auch ein Stück weiter weg. Aber die meisten Kanadier wohnen ja in der Nähe der US-Grenze und sind halt auch ganz routinemäßig immer wieder mal über die Grenze gefahren. Ist ja auch für
Susanne: Kanadier kein Problem, weil mit ihrem Pass können die ja ohne Visa und ohne irgendwas oder Konten.
Dirk: Ich glaube, kurzfristig dürfen sie nach wie vor. Sie brauchen ein Visum, wenn sie länger als vier Wochen im Land sein wollen.
Susanne: Ja, das kostet natürlich was.
Dirk: Ja, aber natürlich. Ja, dann der andere Aufreger, der hier hin und wieder mal durch die Presse durchgeht, ist Alberta.
Susanne: Ach ja.
Dirk: Weil Alberta hat eine Minderheit, die gerne unabhängig sein wollen.
Susanne: Ich finde ja, jedes Land hat so ein Bayern-Alberta-Basken-Land. und slash irgendein Texas. Du schaust dir immer an,
Dirk: wie heißt der, Daniel Smith oder wie die heißt.
Susanne: Ja, furchtbar. Ja, Alberta möchte gern unabhängig sein.
Dirk: Ja, aber es ist halt auch, im Prinzip kannst du sagen, in Kanada dominieren drei Provinzen die Nachrichten. Das ist Quebec, weil Quebec, ganz Kanada hat sowieso Schiss, dass Quebec irgendwann doch mal nochmal versuchen könnte, wegzubrechen. und dann Quebec ist eben anders. Dann ist es Ontario, weil Ontario nun mal die reichste und größte Provinz ist und auch Regierungssitz. Und dann ist es Alberta, weil die am lautesten schreien und sich immer beschweren und die sind auch diese konservative Hochburg. Das heißt, in Alberta haben sie halt ihre Probleme mit Transrechten und sie haben ihre Probleme, also Pronouns sind sowieso auch böse. und da kommt das Steak her und da... Und Öl. Und Öl, genau. Also es ist wie Texas. Wie Texas, ja. Und Alberta ist der Meinung, ohne uns hättet ihr die ganze Kohle doch gar nicht, weil wir ja so viel Öl haben. Und die anderen sind eben nicht dauernd in den Nachrichten.
Susanne: Ne, also ich meine gut, New Brunswick und Nova Scotia waren jetzt in den, und BC waren in den Nachrichten und Manitoba wegen Waldfeier.
Dirk: Die haben halt auch so absurd große Flächen. Also diese Waldbrände treffen ja meistens auf Dürre. Das heißt, du hast so eine längere Zeit, wo alles trocken ist, dann fängt es irgendwann an zu brennen und dann hast du so eine Fläche von, keine Ahnung, der Schweiz, von der Schweiz in Flammen. Wie viele Saarladen sind denn das? Ja, das füllt hier so die Nachrichtenlage auf jeden Fall, kann man so sagen. Also man bekommt so den Eindruck, es gibt innerkanadisch das übliche Drama, aber nichts davon wirklich bedrohlich, sondern einfach so, die ringen halt wirklich immer damit, wie sie sich gegenseitig untereinander halt nur sehen. Und es ist auch wirklich interessant, wie unterschiedlich die Provinzen und Territorien sind in ihren Abhängigkeiten oder was sie denn jeweils an Stärken und Schwächen haben und welche Dinge eigentlich nicht realistisch sind, wenn man mal ernsthaft drüber nachdenkt. Also in Alberta gibt es diese Unabhängigkeitsbewegung, die glauben ja im Ernst, dass Alberta, wenn es unabhängig wäre, ein bedeutendes Land auf der Weltbühne sein könnte. Die haben auch noch nie eine Karte angeguckt, würde ich mal sagen.
Susanne: Also da könnte ich mir eher vorstellen, dass sich Kalifornien irgendwann mal absplittert, weil die haben ja die fünfgrößte Wirtschaft.
Dirk: Ja, also Kalifornien könnte im Ernst irgendwo mitspielen und die haben auch alles. Die haben Zugang zum Meer, die haben... Eine Börse ist
Susanne: ja so mittendrin. Aber die haben Bands, immerhin.
Dirk: Immerhin haben sie Bands, ja. Die haben Berge. Berge sind ja schon mal sympathisch. Können wir ja was mit anfangen.
Susanne: Ansonsten werden wir jetzt hier einfach noch ein bisschen die bunten Wälder genießen. Wissen. Ich sage euch so, was habt ihr noch nicht gesehen? Das kommt auf Fotos überhaupt nicht raus. Ja, und so weit kannst du den Farbregler auch gar nicht aufdrehen. Wie gesagt, ich habe gestern einen pinken Baum gesehen. Ich bin immer noch völlig baff. Und nicht ein Baum, der normalerweise auch pink ist, sondern der halt, die Blätter färben sich dann bis ins Pinke. Dann gibt es hier Bäume, da fängt dann, die sind unten noch grün, dann in der Mitte sind sie gelb und oben sind sie So rot. Einfach wunderschön.
Dirk: In diesem Sinne, aus dem Außenstudio.
Susanne: Dem primpschen Außenstudio.
Dirk: Dem primpschen Außenstudio zurück ins Sendezentrum. Genau. Ja, rührt euch gerne mal, lasst auch gerne mal Fragen oder Kommentare da. Wir haben ja auch schon mehrere Anmerkungen bekommen, dass die Pausen zwischen den Folgen so lange waren.
Susanne: Ja, wisst ihr Leute, wir haben halt auch ein Leben. eben. Und es ist tatsächlich interessant, wie schnell die Zeit zum Teil vergeht. Manchmal, ja, wenn es schee ist, vergeht die Zeit halt schnell.
Dirk: Die vergeht wie im Flug. Also es ist auch erstaunlich, dass wir jetzt schon bald zwei Jahre hier sind.
Susanne: Ja, krass, gell?
Dirk: In diesem Sinne.
Susanne: Genießt den Herbst. Geht mal raus.
Dirk: Kann man nur empfehlen. Kajaken ist toll.
Susanne: Kajaken ist toll.
Dirk: Also dann, bis bald.
Susanne: Bis bald.
